Fernsehen : "Ich kann nicht ohne"

Weniger hart, aber nicht zu kuschelig: Frank Plasberg startet eine weitere Talkshow. Mit "Plasberg persönlich" will er die Talkshow-Landschaft durch ein bisschen Ist-ja-nichts-Schlimmes-Boulevard bereichern.

Thomas Gehringer
Plasberg
Für "Plasberg persönlich" wurde das Studio von "Schmidt & Pocher" gemietet. -Foto: WDR

Frank Plasberg war mal Polizeireporter. Wenn er auf der Straße unterwegs ist und die Sirenen heulen, kann es schon vorkommen, dass er sich spontan auf den Weg zum Unfallort macht. „Ich bin neugierig, gerne in anderen Leben unterwegs“, sagt er. In seiner neuen Reihe „Plasberg persönlich“, die in diesem Jahr zweimal und ab 2009 einmal monatlich im WDR-Fernsehen ausgestrahlt werden soll, soll es nicht so konfrontativ zugehen wie bei „Hart, aber fair“, aber auch „nicht zu kuschelig“, sagt Plasberg. Er wünscht sich Menschen, „die ich gerne nach Hause einladen würde. Sie erzählen unglaubliche Geschichten, die unter einem Oberthema stehen. Das ist – wenn Sie wollen – Boulevard, aber das ist ja nichts Schlimmes“.

Die sechs Gäste der ersten Runde sind alle „Gefangen im Doppelleben“, so das Thema zum Auftakt. Darunter: Sonia Rossi, ehemals Studentin, nebenbei Prostituierte und Autorin des Buches „Fucking Berlin“. Jens Förster ist Psychologieprofessor und Bühnenkünstler, Dyrk Hesshaimer der Sohn des Flugpioniers Charles Lindbergh, was er aber erst nach dessen Tod erfuhr.

Die Gäste sitzen im Halbrund in einem „modernen, nicht zu kühlen Loft“, sagt Plasberg. Für den neuen WDR-Talk hat die Firma „Ansager & Schnipselmann“ von Plasberg und Jürgen Schulte das Studio von „Schmidt & Pocher“ gemietet. Wieder dabei: der „Touchscreen“, ein Bildschirm, über den Plasberg die vorbereiteten Filme startet, wann er will. Die Redaktion sei skeptisch gewesen, sagt er, „aber ich kann nicht ohne“. Allerdings werde es hier keine Einspielfilme geben, sagt Plasberg, sondern nur Kleinigkeiten wie Fotos.

Plasberg will also die nicht gerade arme Talkshow-Landschaft durch ein bisschen Ist-ja-nichts-Schlimmes-Boulevard bereichern, wehrt sich aber gegen den Begriff „People-Talk“. Prominente sollen nur in Ausnahmefällen eingeladen werden. Womöglich wächst da eine Alternative zu Alles-Moderierer Jörg Pilawa heran. Plasberg ist mittlerweile das Gesicht von drei Sendungen. Für den NDR moderiert er noch „Die klügsten Kinder im Norden“ (produziert von Pilawas Firma „White Balance“). Und bald kommt eine vierte dazu: Im Ersten wird er am 27. Dezember Gastgeber bei „Das Quiz 2008 – Der Jahresrückblick“ (produziert von Günther Jauchs Firma I&U TV) sein.

Plasberg nennt seine Quiz-Ausflüge „bezahlten Erfahrungsaustausch“. Dass er dadurch an Profil verlieren könnte, sieht er nicht, „ich will aber auch nicht so genau daran denken, sondern tun, was mir Spaß macht“. Vor drei Jahren gründete er mit dem ehemaligen WDR-Kollegen Jürgen Schulte „Ansager & Schnipselmann“ mit Sitz in Düsseldorf; beide teilen sich die Geschäftsführung. Knapp 30 feste und freie Mitarbeiter sind hier angestellt und stemmen wie vor zwei Wochen aus Anlass der US-Finanzkrise auch mal eine „Hart, aber fair“-Sendung in nur 36 Stunden. „Die Redaktion muss so eine Art Kloster sein. Man muss allerdings aufpassen, dass keine Sekte daraus wird.“

Plasberg fühlt sich nun völlig ausgelastet. „Aber wir sollten als Firma langsam mal etwas tun, das nichts mit meinem Gesicht zu tun hat. Es müsste aus dem Klostergarten herauswachsen, den wir da haben. Und das kann nur journalistische Unterhaltung oder Journalismus pur sein.“

„Plasberg persönlich“, WDR-Fernsehen, 21 Uhr 45, 3. Oktober

0 Kommentare

Neuester Kommentar