Medien : Fernsehen im Fettnapf

Bernd Matthies gerät in „In Teufels Küche“ außer sich

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Die Idee hing über uns Fernsehkonsumenten, musste kommen, war reif. Kochshows laufen wie verrückt, und das Einsperren von Halbprominenten in möglichst absurde Situationen läuft wie ... Na, nicht mehr so doll. Aber wie wäre es, wenn man die Promis zum Kochen einsperren würde? Das Ergebnis heißt „In Teufels Küche", ist in den kommenden zwei Wochen abends bei RTL zu besichtigen – und der Trend nach den ersten zwei Sendungen läuft darauf hinaus, dass wir uns vermutlich auf einen neuen Tiefpunkt der TVUnterhaltung einrichten müssen, und das auch noch ganz ohne Spontansex und Badewasserpinkeln.

Kochen ist nicht umsonst ein Lehrberuf, und wer es nicht gelernt hat, kann es auch nicht, jedenfalls nicht, wenn er von einem Tag auf den anderen Gourmetgerichte für 60 Gäste abliefern soll. Warum lassen sie Karl Dall und DJ Ötzi und Patrick Lindner und Jenny Elvers und die anderen Nasen nicht einfach in „Teufels Werkstatt“ einen rostigen Autobus reparieren? Weil sie dann auf der Jungfernfahrt sterben würden und niemand mehr da wäre für weitere bescheuerte Sendungen dieser Art. (Die Kleidungsstücke der wie gewohnt ätzend schnippischen Moderatorin Sonja Zietlow sehen allerdings schon so aus, als hätten zehn Tölpel nebenan Teufels Nähatelier gegründet.)

Christian Rach, ein Hamburger Sternekoch, hat sich aus undurchsichtigen Gründen bereit gefunden, hier den Dompteur zu machen. Er weiß, dass er keine Chance hat, also nützt er sie zum Raunzen und Kommandieren und Hyperventilieren, tut so, als hätte er keine blutigen Laien neben sich, sondern doofe Azubis im dritten Lehrjahr, denen man nur hammerhart Bescheid geben muss, damit sie die vier Aromaten zum Steinbuttfilet auf die Reihe bekommen. Doch so läuft das hier nicht, und man wird argwöhnen dürfen, dass es auch nicht wirklich ums Kochen geht, sondern um erneute öffentliche Dekonstruktion bekannter Selbstdarsteller, die dumm oder klamm genug sind, um bei so was mitzumachen.

Das scheint zu gelingen. Der Krach zwischen Ötzi, dem cholerisch-sensiblen Halbkönner, und dem komplett hilflosen Jörg Knör hat Tragödienpotenzial, Karl Dall beim ratlosen Schweigen ist eine TV-Rarität, Anouschka Renzi gibt die somnambule Super-Tussi, als hätte sie sich die Jacobsmuscheln schon vorab durch die Nase reingezogen. Und die Art, in der der entnervte Top-Koch Rach zu Jenny E. einfach nur „Frau Elvers-Elbertzhagen“ sagt, würden sensible Staatsanwälte zweifellos als versuchten Totschlag werten.

Sehen wir mal in die Zukunft. Was soll das werden? Zwei Wochen Chaos, hungrige Gäste und ein Küchenchef am Rande des Nervenzusammenbruchs – das sendet sich nicht. Also werden, wenn erst die größten Pfuscher herausgewählt sind, die beiden bislang noch extrem passiven Sous-Chefs von Christian Rach ein wenig Gas geben, wie man im Küchenhandwerk sagt; drei Profis schaffen das notfalls auch allein. Die Qualität wird sich wie durch ein Wunder so verbessern, dass die ersten Gäste ihre Teller leer essen, es wird lobende Worte geben und am Ende einen Sieger, der nach Sachlage nur Patrick Lindner heißen kann.

Möglich ist allerdings auch, dass der ganze Laden wegen verbrannter Quoten vorzeitig in die Tonne getreten wird. Oder, dass die anderen C-Prominenten der Güteklasse Naddel/Axel Schulz, die das Schicksal vorerst ins Publikum verschlagen hat, selbst noch ran müssen. Aber das ist dann auch schon vollkommen egal.

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