FERNSEHEN : Im Reich der Möpse

Mit einer Dokumentation über Loriot startet die sechsteilige ARD-Reihe „Deutschland, deine Künstler“.

Thilo WydraD

Die Möpse, die mag er seit jeher schon. Was würde er nicht alles tun, um Möpse zu fördern. Selber hat er einige davon stets um sich herum gepaart, bei sich zu Hause, in seinem Anwesen am Starnberger See. Möpse, die verstehen einen wenigstens, und man versteht sie. Schön klein und rund sind sie, und einem treu ergeben. Nun, Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow, besser bekannt unter dem Künstlernamen Loriot, hatte schon immer eine ausgeprägte Vorliebe für Möpse, für Hunde überhaupt. Als er jene Hunde in seinen frühen Karikaturen für deutsche Zeitschriften größer zeichnete als den mit Knollennasen bestückten Menschen, da protestierten die Leser, und Loriot wechselte. So wie der am 12. November 1923 geborene, heute 85-Jährige öfter das Medium wechselte – von seinen frühen Schwarzweiß-Cartoons über gemalte und inszenierte Sketche bis hin zu abendfüllenden Spielfilmen und den großen Geburtstagsgalas. Und neben alledem ist da die Passion für die Musik. Loriot, das wird hier erstmals benannt, sollte einmal Nachfolger von Herbert von Karajan werden. Loriot bildet den Auftakt zu der zweiten Staffel der sechsteiligen ARD-Reihe „Deutschland, deine Künstler“.

Loriot ist Perfektionist. Und ein Kontrollfreak. Darin mag er dem großen Alfred Hitchcock wesensverwandt sein. Nichts darf dem Zufall überlassen sein, alles, die kleinste Mimik, die kleinste Gestik, ganz zu schweigen vom gesprochenen Wort, wird er- und geprobt, so lange und so oft, bis es den Wünschen des Meisters entspricht. Mit das Interessante an Claudia Müllers Dokumentation sind die Aufzeichnungen von Proben, bei denen Loriot und seine langjährige Partnerin Evelyn Hamann, aber auch Heinz Meier oder Rudolf Kowalski zu sehen sind. Mit Meier und Kowalski sowie Jürgen Breest, Loriots langjährigem Redakteur von Radio Bremen, aber auch mit Loriot selbst sind verschiedene Gespräche zu sehen, in denen es freilich nicht nur, aber auch um Möpse geht. Nur ungern gibt Loriot Auskunft über sein Privatleben. Seine Auftritte und Auskünfte – auch darin erinnert er an Alfred Hitchcock – sind klug und wohl inszeniert. Ein wenig ist hier doch zu erfahren, über seine Mutter, über seinen Vater, der ihn protegiert hat, dazu private Super-8-Aufnahmen aus dem Hause von Bülow.

Loriots Kunst ist eine Kunst der vollkommenen Zeitlosigkeit. Seine wunderbaren, skurrilen und doch so „normalen“ Fernsehsketche der 70er Jahre mögen in ihrer visuellen Ästhetik ein wenig Patina angesetzt haben, das jedoch, was sie uns vor Augen führen, galt damals so wie heute. Es geht um das Scheitern des Menschen – an sich selbst und an seinem Gegenüber. Loriots Sketche sind kleine philosophische Abhandlungen über die Fehlkommunikation des Menschen, über das Aneinander-vorbei-Reden. Legendär solch gezeichnete Sketche wie jener des Ehepaares, sie hinten in der Küche, er vorne im Ohrensessel, und, jawohl, er will einfach nur ruhig sitzen. Bis er schließlich brüllt, hat sie ihm doch den Gang nach draußen, mit Mantel und Müll, auferlegen wollen. Wie so oft bei Loriot, kommen die Menschen einfach nicht recht zueinander. Thilo Wydra

„Deutschland, deine Künstler“,

ARD, 22 Uhr 45

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