Fernsehen : Im Westen was Neues

Das Interesse an TV-Nachrichten nimmt ab. Nur beim Kölner Sender RTL nicht. Rettet Peter Kloeppel seine News?

Pablo Silalahi
Kloeppel
Good News. Peter Kloeppel von RTL legt als einziger Nachrichtenmann in der Gunst der Zuschauer zu. -Foto: promo

Es ist dramatisch: Nach einer Studie können sich durchschnittlich 70 Prozent der Zuschauer am nächsten Tag nicht mehr an die wichtigsten Politikmeldungen erinnern, die sie am Vortag in einer TV-Nachrichtensendung gesehen haben. Aber wenigstens haben sie sich die News-Sendungen überhaupt angesehen, was derzeit nicht unbedingt im Trend liegt. Denn das Interesse an den Informationsformaten nimmt weiter ab. So verlor das ARD-Nachrichtenflaggschiff „Tagesthemen“ im Jahresvergleich 9,6 Prozent seiner Zuschauer. Nicht besser sieht es bei der Konkurrenz aus Mainz aus. Das „heute-journal“ musste ein Minus von 10,9 Prozent hinnehmen. Und Sat 1 verlor sogar 17,6 Prozent – und zwar vor dem Rausschmiss von Vorzeige-Anchorman Thomas Kausch. Einzig „RTL aktuell“ konnte mit einem Zuwachs von 4,9 Prozent in der Gunst der Zuschauer zulegen. Natürlich stellt sich angesichts dieser Zahlen die Frage: Was machen die Kölner anders als die Konkurrenz, auch der Öffentlich-Rechtlichen?

„Ich glaube, dass RTL testen lässt, was Zuschauer sehen wollen und wann sie wegschalten“, meint Medienforscher Georg Ruhrmann von der Universität Jena. Für das insgesamt zurückgehende Interesse an Nachrichtensendungen sieht Ruhrmann einen Grund: „Die Leute sind überfrachtet mit Informationen. Sie sind auch weniger an Politik interessiert. Und gerade jüngere und gebildete Menschen suchen die Nachrichten aktiv im Internet.“

Um sich in der Flut der Informationen zurechtzufinden, müssen die Fernsehsender ihre Zuschauer an die Hand nehmen. Und das schafft man am besten durch Vertrauen. Aber auch die stärkere Personalisierung der Nachrichten auf den Moderator könnte ein Grund sein, warum die RTL-Statistik besser ist als bei ARD/ZDF und Sat 1. Im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Senden setzt RTL bei der Präsentation auf eine Person. Peter Kloeppel ist als „Mr. News“ das Gesicht der Sendung.

In den USA wird das Konzept des Nachrichten-„Gastgebers“ schon seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet. Ein Modell auch für Deutschland? Georg Ruhrmann sieht aber gerade in dem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern angewendeten Rotationsprinzip einen Vorteil. „Das System mit mehreren Moderatoren hat sich eingespielt und bewährt. Und steht der Zuschauerbindung nicht entgegen.“

Thomas Hinrichs, der zweite Chefredakteur von ARD-Aktuell sieht ebenfalls keinen Nachteil durch die verschiedenen Gesichter bei „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Aber Personalisierung ist auch im Ersten sehr wichtig. So war es nach dem Weggang der populären Moderatoren Ulrich Wickert und Anne Will „keine einfache Zeit für eine Sendung, die Verlässlichkeit als Markenzeichen hat“, sagte Hinrichs. Bei ARD-Aktuell gehört es zum Konzept, dass sich die Präsentatoren hinter der Nachricht zurücknehmen sollen. Deshalb werden bei der 20-Uhr- Hauptausgabe nur Sprecher und keine Moderatoren eingesetzt. „Und dennoch kennt fast jeder Jan Hofer“, sagt Hinrichs . Und ein Marktanteil von konstant über 30 Prozent Marktanteil zeugt ebenfalls von einer großen Zuschauerbindung.

Verlässlichkeit ist ein wichtiger Faktor für Nachrichtensendungen. So regte WDR-Intendantin Monika Piel eine einheitliche Anfangszeit für die „Tagesthemen“ an. Auch eine weitere Verlegung auf einen früheren Sendeplatz brachte sie ins Gespräch.

Dann würde es zu einem direkten Duell mit dem ZDF-Konkurrenten „heute- journal“ kommen. Medienforscher Ruhrmann meint, dass gegen journalistische Konkurrenz „nichts einzuwenden“ sei. „Doch was soll dann ein gemeinsamer Sendeplatz dem Zuschauer wirklich bringen?“ Thomas Hinrichs von ARD-Aktuell betont, dass es eine Vereinbarung zwischen ARD und ZDF gibt , die Nachrichtenformate nicht gegeneinander zu stellen.

Einen Ausblick auf die Zukunft der TV-Nachrichten will Hinrichs nicht wagen. „Das für Journalisten traurige Schauspiel bei Sat 1 lässt einen mit Prognosen vorsichtig sein.“ Für Medienforscher Ruhrmann spielt die Zukunft der Nachrichten nicht nur im Fernsehen: „Um jüngere Zuschauer zu gewinnen, wird man über variablere Präsentationsformen nachdenken und versuchen, die journalistische Substanz noch weiter zu steigern“, meint er. Wie es auch immer in zehn Jahren aussehen wird. Zwischen Tageszeitungen, Nachrichten-Blogs im Internet und der „Tagesschau“ fürs Handy wird es wichtiger denn je sein, den Überblick nicht zu verlieren.

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