Fernsehen in England : Freiwilliges Abo statt Gebühr

In Großbritannien wird über neue Finanzierungsformen für die BBC diskutiert.

von
Für Kritiker ist die BBC ein anachronistischer Subventions-Junkie. Die Politik weiß jedoch, was sie am öffentlich-rechtlichen Sender hat. Foto: dpa
Für Kritiker ist die BBC ein anachronistischer Subventions-Junkie. Die Politik weiß jedoch, was sie am öffentlich-rechtlichen...Foto: picture-alliance/ dpa

Die Dauerschlacht um die BBC-Finanzierung geht in eine neue Runde. Das Adam Smith Institute fordert in einer Studie die Abschaffung der Rundfunkgebühren in Großbritannien und die Umwandlung der BBC in ein „Abo-Fernsehen“ auf freiwilliger Basis. Die Attacke auf die gute alte BBC hat ihren Grund: Demnächst beginnen die Verhandlungen über die Neufestsetzung der Rundfunkgebühren. Sie werden für jeweils fünf Jahre festgelegt. Die gegenwärtige Gebührenstaffel, die für die BBC besonders fürstlich ausfiel, läuft 2011 aus.

Das Adam Smith Institute, ein Think Tank, der sich für den freien Markt einsetzt, hält nicht als Einziger die Rundfunkgebühr für eine „anachronistische Zwangssteuer“, die „vor allem die Armen kriminalisiert“. Die Kritik an der Rundfunkgebühr ist so alt wie das durch Werbung finanzierte Fernsehen der kommerziellen Mitbewerber – ob sie innerhalb des öffentlich-rechtlich geregelten Bereichs operieren wie die Senderketten ITV, Channel 4 oder 5, oder außerhalb, wie der Satellitensender BskyB. Hauptgegner der BBC ist der BSkyB-Mehrheitsaktionär Rupert Murdoch, der seit langem eine „zeitgemäße“ Neuordnung der Medienlandschaft fordert und dafür auch seine Zeitungen wie „Times“ und „Sun“ in den Kampf schickt.

„Der Status quo wird für die BBC nicht mehr lange eine Option bleiben“, warnte Adam-Smith-Direktor Tom Clougherty. Schon jetzt sei die Rundfunkgebühr ein Anachronismus, das werde mit weiteren technologischen Entwicklungen und sich veränderndem Zuschauerverhalten nur schlimmer werden. Der Verfasser des Pamphlets, der ehemalige BBC-Produzent und Medien-Consultant David Graham, nennt die BBC einen „Subventions-Junkie“. Er beschreibt das Paradox der Rundfunkgebühren: Weil sie politisch nur legitimierbar sind, solange die BBC populär ist, zwinge sie den Sender zur direkten Konkurrenz mit kommerziellen Unterhaltungssendern. So sei die BBC „ein subventionierter Entertainment-Konzern“ mit angehängten Sendeverpflichtungen in der Rubrik „öffentlich-rechtliche Werte“ geworden. Wachsender Medienkonsum per Internet mache das Gebührenmodell zusätzlich obsolet, weil es die BBC an der wirklichen globalen Expansion hindere. BBC-Sendungen sind zwar per Internet verfügbar, aber nur für Gebührenzahler innerhalb Großbritanniens.

Mit einer Finanzierung über Subskription könne die BBC ein „globaler Spieler“ von der Bedeutung eines Hollywood-Studios werden, glaubt Graham. Er fordert, Gebühren freiwillig zu machen – also eine Art von Abo-Service. Den Kern des „öffentlich-rechtlichen“ Sendeauftrags müsse man neu definieren und möglicherweise durch direkte staatliche Subvention abdecken.

Graham schrieb einen ähnlichen Bericht bereits 2004 vor den letzten Gebührenverhandlungen. Er blieb folgenlos und das wird auch diesmal der Fall sein. Die neue Regierung hat bereits signalisiert, dass sie bis mindestens 2016 an der Rundfunkgebühr festhalten wird. Medienminister Jeremy Hunt begnügte sich mit einer scharfen Attacke auf die „außergewöhnliche und empörende Verschwendung“ bei der BBC. Wenn das ganze Land wegen der hohen Verschuldung in Sack und Asche gehe und überall öffentliche Dienste zurückgefahren würden, müsse auch die BBC das Sparklima reflektieren. Hunt kündigte harte Verhandlungen an.

Aber debattiert wird in Großbritannien weniger die Rundfunkgebühr an sich als die Verschwendung der BBC, vor allem in Bezug auf Stargehälter und Managerboni. Öffentliche Kritik zwingt den Sender nun, Spitzengehälter und Stargagen zu veröffentlichen. Der Eindruck herrscht vor, dass die BBC an die Sparleine gelegt werden muss. Unter anderem wird diskutiert, ob man Gebührengelder für die Subvention von Breitbandinternet in ländlichen Gebieten einsetzen könnte.

Seit 1. April zahlen die Briten rund 14,55 Euro pro Monat. Das spült der BBC jährlich 3,6 Milliarden Pfund in die Kassen und machte sie in den letzten Jahren buchstäblich rezessionsfest. Bezahlen müssen Besitzer von Radio- und TV-Geräten bis 70 Jahre, vielleicht brauchen bald auch Computerbesitzer eine Rundfunklizenz. Aber die Mehrheit der Briten hält das angesichts der guten Qualität der BBC-Sendungen für ein Schnäppchen, vor allem wenn man die Gebühren mit einem „Sky“-Pay-TV-Abo vergleicht, das leicht 600 Euro im Jahr kosten kann.

Die Regierung hat derzeit andere Sorgen, als sich auf eine Generaldebatte über das Rundfunksystem einzulassen – zumal es innerhalb der Koalition unterschiedliche Denkansätze gibt. Und britische Politiker wissen, dass die BBC, wenn es darauf ankommt, viele Fans mobilisieren könnte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben