Fernsehen : Kampf gegen Windräder

Fantasy mit Don Quichote: Christoph Maria Herbst als moderner Ritter von der traurigen Gestalt.

Christina Tilmann
Don Quichote
Unterwegs in La Mancha: Don Quichote. -Foto: Promo

Es ist schon so mancher zum Aktivisten geworden. Zum Beispiel die Leute, die sich gegen das Aufstellen von Windkrafträdern wehren: Krach, störende Lichtreflexe, Gefahr für Vögel, Landschaftsverschandelung. In Spanien, in der kargen Landschaft von La Mancha, ist das vielleicht nicht so unbedingt das Problem, da wohnt ohnehin fast keiner. Doch der alte Mann, der da mit Lanze und Pferd entschlossen gegen den Windpark anrennt, hat andere Sorgen: Ihm sind die Windräder Riesen, die ihn mit Keulen niederstrecken wollen.

Es ist eine reizvolle Idee von Sat 1, in einem Fantasyfilm die jahrhundertealte Literaturfigur Don Quichote mit einem modernen Umweltaktivisten kurzzuschließen. Das Cervantes-Buch werden die wenigsten richtig gelesen haben, aber der sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen überzeugt auch heute noch. So weiß auch der elfjährige Moritz (Johann Hillmann), der seinen Vater (Peter Lohmeyer) in Spanien besucht, gleich Bescheid, als ihn der blechbewehrte Ritter auf der Landstraße aufgabelt, kurzerhand und ohne Chance auf Widerspruch zum Knappen erklärt.

Die beiden schätzen sich zunächst nicht sehr, der einsame Junge und der seltsame Ritter, und entwickeln doch Respekt, ja Zuneigung füreinander. Und irgendwann, schönste Szene im Film, ahnt Moritz, was Don Quichote sieht, zweifelt für einen Moment an der eigenen, sehr geerdeten Wahrnehmung. Die Fantasie verleiht Flügel – das ist Don Quichotes Geheimnis.

Genügend Komik kommt schon auf, wenn der Ritter seinen Kampf mit Radsportlern, Autos, Polizei und Handys aufnimmt, mit Coladose in der Hand über die Straße spaziert und Moritz beibringt, wie man Feinde das Fürchten lehrt. Schade nur, dass Drehbuchautor Christian Zübert der Versuchung nicht widerstehen konnte, alle nur denkbaren Probleme der Welt noch mit in den Film zu packen.

Der Beziehungskonflikt zwischen Vater und Sohn, die Trauer um die bei einem Unfall verstorbene Mutter, eine zarte neue Liebe für den Vater, der als Windparkerbauer ohnehin unter Stress steht, eine Krankenhausentführung samt plötzlicher Jahrhundertsalterung des Alten, den der (Fantasy-)Film umstandslos zu einem Psychiatriefall degradiert – da muss Regisseurin Sibylle Tafel schon kräftig durch den Stoff hetzen, um alle vorhersehbaren Dialoge in 90 Minuten unterzubringen.

Schade. Denn Christoph Maria Herbst als Don Quichote liefert eine Star-Performance. Schalk und Weisheit, Wahn und Witz in einer Figur. Da stimmt die Chemie ganz offensichtlich, zwischen ihm und seinem jugendlichen Mitstreiter: Sein Don Quichote ist dem mutterlosen Jungen der bessere Vater und Ratgeber. Ihm vor allem hätte man einen etwas konzentrierteren Stoff gewünscht. Denn die Strapazen, von denen er berichtet, die Dreharbeiten bei 40 Grad in einer Blechuniform – „Ich kam mir vor wie ein Auto, nur ohne Klimaanlage“ –, das ständige Reiten für den erklärten „Equophobiker“, den selbst das geduldigste Pferd, das nach Aussagen des Tiertrainers „naturstoned“ sei, nervös macht, und dann noch zwei Stunden Maske für einen juckenden Zausel-Bart – all das, nur um am Ende die Botschaft zu verkünden „Gib niemals auf!“. Christina Tilmann

„Don Quichote – Gib niemals auf!“, Sat 1, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben