Fernsehen : Mit Gottschalk, aber ohne Stiere

"Wetten, dass ...?“ als Open-air-Spektakel in Palma de Mallorca statt.

Dirk Engelhardt[Palma]

„Jetzt fehlt nur noch der Kollege vom ,Diario de Mallorca’“, sagt der ZDFMann, der Journalisten am Eingang der Stierkampfarena von Palma de Mallorca zum Backstage-Rundgang erwartet. „Wenn wir auf den warten wollen, stehen wir noch mindestens eine Dreiviertelstunde“, gibt ein anderer Kollege von der „Mallorca Zeitung“ zurück, der seinerseits eine Viertelstunde zu spät kam. Pünktlichkeit in Spanien folgt anderen Gesetzen als jene in Deutschland.

Die Vorbereitungen für die „Wetten, dass ...?“-Show, die das ZDF am Samstag zum dritten Mal in Palma de Mallorca veranstaltet, laufen hingegen strikt nach Plan. Seit dem 1. Juni werkeln Bühnenarbeiter in der von Architekt Gaspar Bennazar errichteten Stierkampfarena, die 11 600 Zuschauer fasst. Konnten bei der „Wetten, dass ...?“-Show 2007 nur 6000 Zuschauer eingelassen werden, sind es diesmal wegen der Rundumbespielung 9000 – nur der obere Rang bleibt der Technik vorbehalten.

Regisseur Frank Hof will die Eigenheiten der „Plaza de toros“ aus dem Jahr 1928 ins Spiel bringen und diesmal einiges anders machen. Durch die Rundumbespielung entfällt die klassische Frontalansicht auf die Bühne. Auf Bühnenaufbauten wird der Sicht wegen weitgehend verzichtet, nur ein kleines Schwimmbecken und das obligatorische Promi-Sofa sind als Aufbauten zu erkennen. Der Sand der Arena, das hat man bei der Premiere in Palma schmerzhaft lernen müssen, wird wegen des trockenen und heißen Wetters gewässert, um nicht zu viel Staub aufzuwirbeln. Jede Windböe kann hier Schreckliches bewirken, vor allem bei der Technik.

Für die Kameras wird es keine Fahrbahnen geben, sie wurden für die Fahrten auf dem Sand mit dicken Gummireifen ausgerüstet, „die es nur beim ZDF gibt“, wie Pressesprecher Peter Gruhne stolz betont. Zur Beschallung, die im 360-Grad-Rund ebenfalls ihre Tücken hat, werden ultramoderne Lautsprecherstelen eingesetzt, ebenfalls eine Neuentwicklung. Die Show ist indes ein Beschäftigungsfaktor: Rund 300 Menschen sind allein mit den Vorarbeiten in der Arena beschäftigt, um Kilometer von Kabeln zu verlegen, hunderte Scheinwerfer zu installieren und nicht zuletzt Genehmigungen bei den spanischen Behörden einzuholen. Das ZDF betont, „Wetten, dass ...?“ als Open-air-Event sei nicht teurer als in der Halle.

Die Anwohner rund um die „Plaza“ von Palma sind von dem Spektakel nicht alle begeistert: „Recht auf Erholung“ steht in der Landessprache Mallorquin auf einem Bettlaken, das von einem Balkon gegenüber der Arena flattert. Dabei sind sie Lärm gewohnt, in der Arena finden neben Stierkämpfen auch Pop-Konzerte statt. Um die Anwohner zu besänftigen, hat das ZDF an alle umliegenden Haushalte je vier Freikarten für die Generalprobe verteilt. „Die werden gerne in Anspruch genommen, und beim letzten Mal hatten wir so eine echt spanische Atmosphäre, mit distinguierten älteren Damen, die sich mit dem Fächer Luft zufächelten“, erinnert sich Peter Gruhne.

Auch die Logistik hat das ZDF geregelt: 800 Parkplätze wurden extra angemietet, damit der Verkehr rund um die Arena nicht zum Erliegen kommt. Durch den dichten Stadtverkehr müssen sich die Promis samt Entourage trotzdem nach der Show kämpfen, denn die After-Show- Party findet im Pueblo Espanol statt, eine Art Freilichtmuseum spanischer Architektur am anderen Ende der Stadt.

Die 9000 Tickets für die Stierkampfarena sind praktisch ausverkauft. Die meisten sind von einer deutschen Airline im Pauschalpaket mit Flug und Übernachtungen verkauft worden. Einige wenige wurden im Kassenverkauf der einheimischen Bevölkerung und den Mallorca-Deutschen angeboten. Diese Tickets kosten einheitlich 53 Euro, die Käufer mussten sich zwischen „Sol“- und „Sombra“-Plätzen (Sonne oder Schatten) entscheiden. Neben den Stars Michelle Hunziker, Naomi Campbell, Wayne Carpendale, Hardy Krüger junior, Placido Domingo und Otto Waalkes werden 23 deutsche „Missen“ erwartet, die in Palma auch ein Fotoshooting für den Rasiererhersteller Wilkinson absolvieren. Unklar ist, ob die Wette bei Gottschalk ums Epilieren geht – so viel Schleichwerbung wäre für einen öffentlich-rechtlichen Sender wohl zu viel des Guten.

Immerhin gibt es in Palma keine Probleme mit der Witterung, zur Zeit herrschen in Palma sonnige 27 Grad im Schatten. Die Witterung machte Open-Air-Terminen in Deutschland zu schaffen: In Xanten wurden 1991 wegen Dauerregens ganze Lkw-Ladungen Sand in die Arena gekippt.

Für Moderator Thomas Gottschalk ist der Ausflug nach Mallorca ein weiterer Realitätstest: Denn zuletzt rutschte er am 28. Februar mit 9,7 Millionen Zuschauern – allerdings im direkten Vergleich mit der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ – unter die Zehn-Millionen- Zuschauer-Marke, am 21. März waren es lediglich 9,18 Millionen. Mit seinen Mallorca-Sendungen, die jahreszeitlich bedingt immer unter dem Gesamtschnitt lagen, erreichte er 1997 11,49 Millionen Zuschauer und vor zwei Jahren 9,92 Millionen. Für Gottschalk steht fest: Er wird wird „Wetten, dass ...?“ auf alle Fälle bis 2010 moderieren. Dann wird er im Mai 60 Jahre alt, die Zukunft ist noch nicht geklärt.

„Wetten, dass ...?“, ZDF, Samstag, um 20 Uhr 15

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