Fernsehen : Mit „Nessie“ auf Vatersuche als Sat-1-Film

Der Titel des TV-Films „Das Wunder von Loch Ness“ erinnert an Jules Verne, doch er bietet auch Zwischenmenschliches.

Kurt Sagatz

Die Einstiegsszene ist Idylle pur. Zwei Männer sitzen unrasiert und mit grünen Anglerhüten in einem kleinen Boot, rund um den See hängt der Frühnebel in den Bergen. Plötzlich wird einem Angler die Rute aus der Hand gerissen, man sieht ein Riesentier unter dem Boot hertauchen, bevor es frontal auf die Angler zurast – so wie einst Kapitän Nemos Unterseeboot. Doch es handelt sich nicht um den Disney-Klassiker „20 000 Meilen unter dem Meer“ von 1954, sondern um den Sat-1-Film „Das Wunder von Loch Ness“. In diesem Film wird nicht nur nach „Nessie“ geforscht, genauso wichtig ist die Suche eines elfjährigen Jungen nach dem Vater. Unter seiner Vaterlosigkeit leidet neben Tim (Lukas Schust) vor allem auch dessen Mutter Anna (Lisa Martinek). Nicht nur, dass Tim sie per Blind Date verkuppeln will. Der altkluge Junge ermahnt sie überdies, sich diesmal eine richtige Rechnung geben zu lassen, „sonst kann ich sie wieder nicht von der Steuer absetzen“. Noch turbulenter wird es, als Tim ein Interview mit dem „Nessie“- Forscher Eric Winter (Hans-Werner Meyer) einschaltet, der seinem angeblich toten Vater erschreckend ähnlich sieht. Schnell ist das Sparschwein geschlachtet, der Flug auf eigene Faust gebucht. Die Abenteuerreise nach Inverness nimmt ihren Lauf.

Film- und TV-Geschichten rund um das schottische See-Ungeheuer sind immer weit hergeholt, da macht der Sat-1-Film keine Ausnahme. Immerhin: Schust, Martinek und Meyer spielen überzeugend und Thomas Fritsch in der Rolle des Merlin erhöht noch den Spaß an diesem märchenhaften Fantasy-Abenteuer. Doch auch die Stimme von Harry-Potter-Vorleser Rufus Beck ändert nichts daran, dass die Computerfigur des 600 Jahre alten Druiden Oki als Mischung aus Gollum und E.T. selbst die Fantasie von Kindern überstrapaziert. So bleibt als Fazit: Die meisten Jules-Verne-Filme finden sich heute im Sonntagnachmittag-Programm wieder. Dieser Sat-1-Film wäre dort ebenfalls besser aufgehoben. Kurt Sagatz

„Das Wunder von Loch Ness“; Sat 1, 20 Uhr 15

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