Fernsehen : MTV sendet "Popetown"

Trotz aller Proteste aus den christlichen Kirchen und der CDU/CSU beginnt der Musiksender MTV morgen mit der Ausstrahlung der TV-Zeichentrick-Kirchenatire "Popetown". Man gehe von einer positiven Reaktion der Zuschauer aus, erklärte der Sender.

Berlin - Das Musikfernsehen MTV will zunächst nur eine der insgesamt zehn Folgen ausstrahlen und dann mit Kritikern und dem Publikum über eine Fortsetzung diskutieren.

Die Serie war in Großbritannien für die BBC produziert worden, lief dort aber nach heftigen öffentlichen Protesten nie im Fernsehen, sondern erschien nur auf DVD. Nach der Ankündigung der Sendung in Deutschland mit einer - vom Werberat gerügten - Zeitungsanzeige mit einem vom Kreuz gestiegenen lachenden Jesus hatten das Münchner Erzbistum und der bayerische CSU-Fraktionsvorsitzende Joachim Herrmann rechtliche Schritte eingeleitet.

Nach Einschätzung des Kölner Kirchenrechtlers Stefan Muckel haben juristische Schritte gegen die Sendung kaum Chancen auf Erfolg. «Eine Strafanzeige wegen Beschimpfung von religiösen Bekenntnissen hat keine gute Aussicht, zu einer Verurteilung zu führen», sagte er in einem dpa-Gespräch. «Es müsste sich um eine Beschimpfung handeln, die zumindest geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.» Die entsprechende Vorschrift im Strafgesetzbuch sei hier «äußerst restriktiv», sagte Muckel.

Gegen Forderungen nach einem Verbot der Satire wandten sich Politiker von SPD, FDP und Grünen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn, Mitglied des Ausschuss für Kultur und Medien, sieht in den katholischen Protesten eine Art Reaktion der Kirche auf den Streit um die Mohammed-Karikaturen. Der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse» sagte sie: «Die Freiheit möchte ich weder von fundamentalistischen Islamisten noch von fundamentalistischen Christen einschränken lassen.» Die Grünen-Abgeordnete Grietje Bettin, die dem Ausschuss ebenfalls angehört, erklärte: «Satire darf überziehen und satirische Sendungen dürfen nicht verboten werden.»

In der ersten Folge der Serie, die ebenso wie zwei weitere von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) für das Abendprogramm ab 20.00 Uhr freigegeben wurde, steht die Hauptfigur, Pater Nicholas, nach MTV-Angaben vor einem echten Problem: Der Papst ist beim Versteckspielen verloren gegangen. Nicholas engagiert als Double einen New Yorker Juden, der den Job hervorragend ausfüllt. So fragt sich Nicholas am Ende, ob er den echten Papst überhaupt noch suchen soll.

Die Ankündigung der Serie hat bei der bayerischen Landesregierung eine Initiative zum stärkeren gesetzlichen Schutz religiöser Symbole und Überzeugungen ausgelöst. Ministerpräsident Edmund Stoiber beauftragte Justizministerin Beate Merk (beide CSU) mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs, der bis zur Sommerpause diskutiert und dann in den Bundesrat eingebracht werden. (tso/dpa)

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