Fernsehen : „Nordlicht“-Connection

Herres folgt Struve als ARD-Programmdirektor

Joachim Huber
ard
Der Struve-Nachfolger: NDR-Fernsehprogrammdirektor Volker Herres. -Foto: ddp

Das Vorschlagsrecht für die Position hatte der Norddeutsche Rundfunk. Also schlug NDR-Intendant Jobst Plog für die Nachfolge von Günter Struve als Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens Volker Herres vor. Plogs Kolleginnen und Kollegen befürworteten die Personalie einstimmig bei ihrer Sitzung in Bremen. Herres arbeitet derzeit als Fernseh-Programmdirektor des NDR, Struve seit 1992 Programmdirektor des Ersten, sein Vertrag läuft im Oktober 2008 aus. Struve hatte betont, dass dann für ihn definitiv Schluss sei. Nicht unwahrscheinlich, dass der Wechsel von „Nordlicht“ zu „Nordlicht“ früher als zum 1. November 2008 stattfindet. Herres ist auch ein „Fernsehgesicht“. Seit September 2007 moderiert er im Wechsel mit WDR-Intendantin Monika Piel den „Presseclub“ im Ersten.

Die ARD-Hierarchen fanden sogleich lobende Worte für den Gewählten. „Volker Herres ist ein hervorragender Journalist und Rundfunkmanager“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. Herres könne auf dem Fundament aufbauen, das Struve geschaffen habe: „Ohne ihn stünde das Erste nicht da, wo es steht, unangefochten auf Platz eins als Marktführer und als Nummer eins in der Infokompetenz.“

Volker Herres hat nach dem neuen Amt nicht mit Macht gedrängt. Sein Traumjob ist die Intendanz beim NDR gewesen, aber er konnte sich für die Spitze der ARD-Anstalt für die vier Nordländer, die mehrheitlich von CDU-Ministerpräsidenten regiert werden, nicht ausreichend empfehlen. Zum nächsten NDR-Chef nach Plog wurde Lutz Marmor bestimmt.

Also München statt Hamburg, ARD-Programmdirektion statt NDR-Intendanz. Das ist mehr als ein Ortswechsel. Beim NDR ist der 50-jährige Herres verantwortlich für das NDR-Fernsehprogramm, als ARD-Programmchef muss er aus den Beiträgen von neun Landessendern ein erfolgreiches Angebot bauen. Günter Struve hat das, je länger im Amt, desto eindrucksvoller geschafft. Jetzt, mit 67 Jahren, führt er die Programmdirektion als Patriarch und mit der Autorität, die aus dem Erfolg erwächst. An diesen Erfolg kann Herres ansetzen, raffiniert und unabhängig wie er ist; allein seine einstimmige Wahl zeigt, dass ihm die Fortsetzung zugetraut wird (und nichts anderes erwartet wird). Spätestens 1995 mit der Ernennung zum Fernseh-Chefredakteur und Leiter des Programmbereichs Zeitgeschehen schaute Herres über den NDR-Rand hinaus. Er war zuständig für alle Informationssendungen, die sein Sender – finanziell drittstärkster im ARD-Verbund – für das Erste produziert.

Zu Herres’ jüngsten Personalentscheidungen gehörten die Berufung von Ingo Zamperoni zum Moderator des „Nachtmagazins“ und das Engagement von Mehmet Kurtulus als erstem türkischstämmigem „Tatort“-Kommissar. Die entschlossene Art, wie sich der NDR von seiner Talkerin Eva Herman nach deren Äußerungen über Familienwerte in der Nazizeit trennte, ist Herres zuzuschreiben.

Der Journalist arbeitete ab 1983 beim ZDF für „Kennzeichen D“ und später für Reihen wie „Was nun, …?“. Zum NDR wechselte er 1987 als Referent in der Intendanz, deren Leitung er 1991 übernahm. Herres moderierte auch verschiedene ARD-Sendungen, darunter in diesem Frühjahr ein Gespräch zwischen Michael Buback und Ex-RAF Mitglied Peter-Jürgen Boock. Dafür wurde er in der Kategorie „Beste Moderation Information“ beim Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Was der künftige ARD-Programmchef Volker Herres plant? Natürlich gibt es im ersten Programm Baustellen. Der Montagabend läuft gar nicht gut, die „Tagesthemen“ haben bei sieben Sendungen in der Woche fünf verschiedene Anfangszeiten. Und dann die Zukunft der „Sportschau“. Die TV-Rechte der Fußball-Bundesliga werden im Frühjahr 2008 ausgeschrieben. Vorstellbar, dass Struve dem Ersten die Bundesliga als Abschiedsgeschenk überreicht, denn Struve ist auch ARD-Sportkoordinator. Joachim Huber

0 Kommentare

Neuester Kommentar