Fernsehen : Polit-Demontage, zweiter Teil – ARD legt mit Steinmeier-Porträt nach

Bereits bei der ZDF-Annäherung an Frank-Walter Steinmeier vor wenigen Wochen erlebte der Zuschauer die unvorstellbare Demontage eines Politiker, der ausgezogen ist, Bundeskanzler zu werden. Das Überraschende am ARD-Beitrag ist nun, dass er dies noch übertrifft.

Kurt Sagatz
Steinmeier
Der Herausforderer: Frank-Walter Steinmeier (m.) mit NDR-Autoren Hans-Jürgen Börner (l.) und Tom Ockers. -Foto: ARD

Ursula Steinmeier sieht es aus der Perspektive der Mutter. Sie hat ihren Sohn Frank-Walter Steinmeier sicher nicht zur Kandidatur um das mächtigste politische Amt in Deutschland gedrängt. „Etwas bleibt auf der Strecke“, sagt diese sympathische Frau mit der dezenten Brille mit Goldrand und fragt sich: „Wann sehen wir uns dann noch?“ Die Antwort im Steinmeier-Porträt „Der Herausforderer“, das die ARD am Donnerstag ausstrahlt, weiß Vater Walter Steinmeier. „Wir telefonieren an jedem freien Wochenende – so weit das möglich ist.“

Der Beitrag der NDR-Autoren Hans-Jürgen Börner und Tom Ockers ist nicht das erste Porträt des eher zurückhaltenden Niedersachsen aus Brakelsiek. Bereits bei der ZDF-Annäherung an den SPD-Politiker vor wenigen Wochen erlebte der Zuschauer die unvorstellbare Demontage eines Politiker, der ausgezogen ist, Bundeskanzler zu werden. Das Überraschende am ARD-Beitrag ist nun, dies noch zu übertreffen. Vor allem Wolfgang Nowak, SPD-Mitglied und Weggefährte aus den gemeinsamen Zeiten im Kanzleramt, lässt wenig Gutes an dem Kandidaten. Steinmeier habe sich seine Positionen nie erkämpft, sie seien ihm immer durch Strippenziehen im Hinterzimmer zugefallen. Doch noch etwas anderes zeigen Börner und Ockers, die Steinmeier ein Jahr begleitet hatten. Der mangelnde Ehrgeiz, der ihm auch im ARD-Film attestiert wird, sagt nichts über seine Qualifikation für das Amt des Bundeskanzlers aus. Ob nun in Hannover in der Staatskanzlei oder als rechte Hand von Gerhard Schröder in Berlin: Frank-Walter Steinmeier hat die Gestaltungsmacht bereits über Jahre ausgeübt, entgegnet Parteifreundin Andrea Nahles den Kritikern.

Sicher ist indes: Spannung und Dramatik wollen zu Frank-Walter Steinmeier nicht passen. Um nicht mit den altbekannten Bildern aus Brakelsiek zu beginnen, startet der ARD-Beitrag in Syrien. Schnelle Fahrten mit der gepanzerten Limousine, Bodyguards, TV-Kameras. „In der Welt bekommt Außenminister Steinmeier die Anerkennung, daheim nicht“, sagt die Off-Stimme. Schade eigentlich, einen anderen, neuen Steinmeier hat auch das Erste nicht zu bieten.

„Der Herausforderer – Frank-Walter Steinmeier“, ARD, 21 Uhr 45. Nächsten Donnerstag zur gleichen Zeit: „Die Kanzlerin – Angela Merkel“

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