Fernsehen : ProSiebenSat.1-Gruppe geht ins Pay-TV

Die führende deutsche Fernsehsender-Gruppe ProSiebenSat.1 steigt angesichts verhaltener Werbemärkte ins Pay-TV-Geschäft ein. Filme werden über eine DSL-Leitung abgerufen und können über den Computer oder über eine Set-Top-Box am Fernsehgerät gesehen werden.

München - Die beiden neuen Bezahl-Sender «Sat.1 Comedy» und «kabel eins classics» sind über die digitalen Bezahl- Pakete der Kabelnetzbetreiber erhältlich. Zudem werden Filme, Serien und Erotik-Programme über den Internet-Dienst «maxdome» vertrieben. Serien wie «Verliebt in Berlin» sollen im Internet zum Teil vor der TV-Ausstrahlung zu sehen sein.

«Mit den beiden Pay-TV-Angeboten eröffnen wir ein neues Geschäftsfeld für die ProSiebenSat.1-Gruppe», sagte Vorstandschef Guillaume de Posch bei der Vorstellung der Bezahl-Sender am Mittwoch in München. Beide neuen Pay-TV Sender sind 24-Stunden-Programme. «kabel eins classics» soll Spielfilme aller Genres von den 40er bis zu den frühen 90er Jahren zeigen. Auf «Sat.1 Comedy» laufen Spielfilm-Komödien aus Hollywood und Europa, US-Sitcoms sowie Comedyformate von Sat.1 und ProSieben.

Speichern nicht möglich

«maxdome» wird in Kooperation mit dem Internet-Dienstleister United Internet (1&1, WEB.DE, GMX) betrieben und soll ebenfalls im zweiten Quartal starten. Konkrete Tarife wurden bei der Vorstellung auf der Computermesse CeBIT in Hannover noch nicht bekanntgegeben, die Preise für den Abruf einzelner Programme sollen zwischen knapp einem und fünf Euro liegen, für weniger als zehn Euro soll es Abo- Pakete für einzelne Bereiche wie zum Beispiel Serien geben. Speichern kann man die Filme nicht.

Für «maxdome» wurden bereits Verträge mit Paramount Pictures (die «Mission: Impossible»-Filme, «Forrest Gump»), Constantin Film Verleih («(T)Raumschiff Surprise - Periode 1», «Alexander»), Kinowelt («Saw 2», «Die Reise der Pinguine») und Epsilon Motion Pictures («Million Dollar Baby», «Der ewige Gärtner») abgeschlossen. Mit weiteren Hollywood-Studios werde verhandelt. Darüber hinaus hält die die ProSiebenSat.1-Gruppe die die Video-on-Demand-Rechte der KirchMedia Library (z.B. «Sieben Jahre in Tibet», «Blade»).

"Man kannibalisiert sich selber"

«DSL ist für uns ein neuer Weg zum Zuschauer - vor allem zu den jungen Generationen, die mit dem Computer aufgewachsen sind», betonte de Posch. Marcus Englert der als Direktor Diversifikation bei ProSiebenSat.1 für die neuen Bereiche zuständig ist, betonte, Video- on-Demand-Dienste hätten eine Chance, wenn sie auch über das Fernsehgerät erreichbar und so aktuell wie das Angebot der Videotheken sind und auch den Abruf von TV-Material ermöglichen.

Bei ProSiebenSat.1 gebe es zum Teil auch die Sorge, Angebote im Internet könnten unter Umständen das Free-TV-Geschäft beeinträchtigen. «Jeder Senderchef schaut schon ganz genau, was wir machen», sagte Englert. Aber wenn schon, dann kannibalisiere man sich besser selber, und bringe Programme unter eigener Marke in den Markt, anstelle anderen das Feld zu überlassen.

Wachsender Markt

Video-Abrufe über das Internet sind vor allem in den USA ein schnell wachsender Markt. In Deutschland bietet unter anderem der iTunes Music Store von Apple auch Videos an, das Hollywood-Studio Warner will im März Filme zum Download anbieten. Angesichts des verhaltenen Wachstums der Werbeeinnahmen hatten Medienexperten auch für ProSiebenSat.1 den Einstieg ins Pay-TV als besonders wichtig bezeichnet.

Für die digitale Einspeisung ihrer Free- und Pay-TV-Sender hatte sich die Sender-Gruppe in den vergangenen Wochen mit den Kabelnetzbetreibern Kabel Deutschland (KDG), Kabel BW und Unity Media geeinigt. (tso/dpa)

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