Fernsehen : Raffen und rauben

Arte zeigt Dokus über Gründe und Folgen der Finanzkrise - scheint damit aber um mehr als eine Quartalslänge hinterdrein zu kommen.

Hendrik Feindt
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Schneller Kredit, schnelles Geld. Erst die Gier, dann die Depression. -Foto: Arte

Über diese Behäbigkeit von Arte kann man sich nur wundern. Da wird – wo das Reden über die Finanzkrise inzwischen markante Symptome der Übersättigung aufweist – ein Themenabend „Die große Gier“ produziert. Und dieser besteht, angekündigt als Erstausstrahlung, aus zwei Dokumentarstreifen, von denen der eine, „Fluchtburg Liechtenstein“, in weiten Teilen schon vor einem Jahr im ZDF gelaufen ist. Nicht dass irgendwer behauptete, die Geldwäsche im „Bermudadreieck“ zwischen Ostschweiz, Vorarlberg und Vaduz sei unattraktiv geworden. Aber ein wenig mehr Eigeninitiative von Seiten Artes wäre zu erwarten gewesen. Auch Kersten Schüßlers gut recherchierte Dokumentation mit dem Titel „Verbranntes Geld“ scheint heute um mehr als eine Quartalslänge hinterdrein zu kommen. Schüßler begab sich im Winter nach New York und nach Cleveland, als der Begriff Rezession kaum noch von dem der Depression zu unterscheiden war. Nasser Schnee durchweht die Straßenzüge mit den notorischen Einzelhäusern, verbarrikadiert und zur Zwangsversteigerung aufgelistet. Der Filmautor besucht Opfer der einstigen Kreditschwemme. Ohne Einkommensnachweis wurden ihnen von Hypothekenmaklern Darlehen in sechsstelligen Höhen angetragen – jetzt sehen sie sich mit Forderungen von ihnen unbekannten Finanzinstituten konfrontiert. Mit Unverständnis reagieren auch die Stadtbeauftragten, die die Praxis der unregulierten Kreditvergabe („easy money, pure greed“ – schnelles Geld und reine Gier) mit den Gepflogenheiten des Drogenhandels vergleichen. Als die Krise sich abzeichnete, traten sie an die Banken mit dem Vorschlag der Halbierung der Forderungen heran. Angeblich reagierte kein Institut. Schüßler durchsetzt diese Darstellungen mit Ausschnitten aus Gesprächen, die er mit Ökonomen, Philosophen, Wirtschaftsethikern und Finanzminister Peer Steinbrück geführt hat. Man vernimmt Sentenzen gegen den Neoliberalismus und zuweilen auch die Warnung vor den Risiken einer Politik der Kollapsverzögerung.

Themenabend „Die große Gier“, Arte, ab 21 Uhr

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