Fernsehen : Urlaub auf der Mattscheibe

Fast 85 Prozent der Kinder verbringen ihre Ferien am liebsten am Strand. Doch auch die Daheimgebliebenen wollen etwas erleben - das Kinderfernsehen ruft.

Pablo Silalahi
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Magische Kräfte. Bei "H2O - Plötzlich Meerjungfrau", einer Kinder-Fantasyserie ab 30. Juli auf Kika. -Foto: ZDF

Fast 85 Prozent der Kinder verbringen ihre Ferien am liebsten am Strand, laut Umfrage auf der Internetseite des Kinderkanals Kika. Den Fernsehsender selbst dürfte das Ergebnis eigentlich nicht sonderlich erfreuen, denn wer denkt am sonnigen Strand schon an die Glotze? „Wenn es warm ist, gehen die Kinder eben raus, und das ist auch gut so“, sagt Kika-Programmgeschäftsführer Frank Beckmann. „Natürlich ist die Quote bei uns abhängig vom Wetter. Wenn es regnet, schauen immer sehr viel mehr Kinder zu.“ Regen gab es in der vergangenen Woche besonders viel. Nun haben die Sommerferien begonnen. Und der Sommer offenbar auch. Damit stellt sich für viele Schüler die Frage nach sinnvoller Freizeitgestaltung – und für Kindersender die Frage nach dem richtigen Fernsehprogramm.

Glücklich sind die Kinder, die mit ihren Eltern in den Urlaub fahren können. Aber auch diejenigen, die zu Hause bleiben müssen, wollen in den Ferien etwas Besonderes erleben, auch im Fernsehen. Deshalb geht für die Daheimgebliebenen das Erste auf Reisen. Die „Sendung mit der Maus“ startet heute ihre große Deutschlandreise, bei der die drei „Maus“-Autoren Armin Maiwald, Ralph Caspers und Christoph Biemann quer durch die Republik touren werden und in verschiedenen Orten mit Kindern ein Wissensquiz veranstalten.

Auch der Kinderkanal will während der Sommerferien „da hingehen, wo die Kinder sind“, sagt Programmchef Beckmann. So tourt der Kika seit einer Woche über Marktplätze zwischen Hamburg und München. Diese Tour ist nicht das einzige Highlight im Kinder-Sommerprogramm: „Wir stellen uns auf die veränderte Zuschauerschaft während der Ferien ein. Besonders am Vormittag haben wir viele ältere Kinder, die um diese Zeit ansonsten in der Schule wären. Deshalb“, so Beckmann, „passen wir unser Angebot auch so an, dass wir um diese Zeit anspruchsvollere Sendungen präsentieren.“ Der Kindersender mit Sitz in Erfurt setzt auf Quizformate. Mindestens acht Jahre alt muss man sein, um beim „Spiel mit Kai, dem Forellenkugelhai“ mitmachen zu können. Ein weiterer Programmhöhepunkt ist die am 30. Juli startende Serie „H20 Plötzlich-Meerjungfrau“ , eine australisch-deutsche Fantasyserie mit echten Schauspielern.

Im Gegensatz zum öffentlich-rechtlichen Kinderkanal setzt man beim privaten Konkurrenten Super RTL auf die altbewährte Unterhaltung aus dem Hause Walt Disney. In der Sommerzeit wird das sechsteilige Dino-Zeichentrick-Abenteuer „In einem Land vor unserer Zeit“ gezeigt. Aber bei Super RTL will man das anspruchsvolle Feld während der Ferien nicht der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz überlassen. Auch beim Privatfernsehen hält man den pädagogischen Aspekt für wichtig. „Wir achten darauf, dass unsere Kindersendungen den Bedürfnissen von Kindern entsprechen“, betont Programmdirektor Carsten Göttel. Man wolle auch die Eltern mit einbinden. „Statt am Abend um 20 Uhr 15 Uhr sofort mit Erwachsenenprogrammen zu starten, sollen die Familien die Gelegenheit haben, gemeinsam mit den Kindern noch eine gewisse Zeit Fernsehen zu gucken.“

Kika-Chef Beckmann sieht seinen Sender im Vorteil, da dieser den Kindern „nichts verkaufen“ wolle. Stichwort Werbung im Kinder-TV. Aber auch die Werberichtlinien bei Super RTL kennen laut eigener Website klare Tabus: „Sendungen für Kinder dürfen nicht durch Werbung oder Teleshopping unterbrochen werden.“ Der Wunsch vieler Eltern, seinem Kind möglichst anspruchsvolles Fernsehen zu bieten, bei dem es auch etwas lernen kann, birgt die Gefahr einer Entmündigung der Kinder. Medienprofessor Gert Müntefering von der Universität Kassel betont, dass es ein eigenständiges Medienverhalten von Kindern gibt: „Kinder setzen ihre Welt auf neue Weise zusammen.“ Die Nutzung von Handy, Internet und Fernsehen beruhe auf einem Selektionsvermögen, dass bislang noch nicht erkannt wurde. Ob die Kinder ihre Ferien draußen oder vorm Fernseher verbringen, sollte also auch deren Wahl sein, im Dialog mit den Eltern. Letztlich gilt nach Müntefering der Satz: „Kinderfernsehen ist, wenn Kinder fernsehen.“ Dies sieht auch Frank Beckmann so. „Die meisten Kinder haben im vergangenen Sommer vor dem Fernseher gesessen, und das trotz des guten Wetters. Allerdings nicht bei Kika oder Super RTL. Wie alle anderen auch haben sie die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgt.“

„Die Sendung mit der Maus“ auf Deutschlandtour,

ARD, Kika, 11 Uhr 30

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