• FERNSEHEN: Wenn Überläufer Welten retten: Ein Arte-Themenabend über den Kalten Krieg und seine Spione

FERNSEHEN : Wenn Überläufer Welten retten: Ein Arte-Themenabend über den Kalten Krieg und seine Spione

Spione sind doch ein Segen! So möchte es ein Themenabend auf Arte glauben machen, zum einen mit einem Hitchcock-Film, zum anderen mit einem polnischen Dokumentarfilm, dessen Autor in Washington, Warschau und Moskau recherchierte.

Hendrik Feindt

Dass 1962 die Kuba-Krise nicht zu einem Dritten Weltkrieg eskalierte und dass in den siebziger Jahren eine sogenannte "Zweite Staffel" aus der Sowjetunion nicht mit mehreren Millionen Infanteristen ganz Europa bis zum Golf von Biskaya überrannte - die Verantwortung dafür hatten offenbar die Spionage-Abteilungen. Oder besser: einzelne Abtrünnige, die sich nicht mehr mit der Strategie ihrer Systems identifizieren konnten. Sie informierten die andere Seite, sie liefen über. In Alfred Hitchcocks Film "Topas" von 1969 ist das, genregemäß, nur ein Spiel, eine Fiktion nach Art der James-Bond-Streifen: Hitchcock, dessen Filmographie nicht wenige Spionagethriller aufweist, ließ es sich denn auch nicht nehmen, aus dem Personal von "007 - You Only Live Twice" die deutsche Schauspielerin Karin Dor auszuwählen und sie in der Rolle einer kubanischen Patriotin einen der schönsten Kinotode spielen zu lassen. Die Kamera fährt von oben ganz langsam heran, und in dem Augenblick, wo Karin Dor zusammenbricht, breitet sich ihr Gewand aus wie eine erblühende Blume. "Das war", sagte damals der Regisseur, "wegen des Kontrastes".

Im Dokumentarfilm "War Games" (ab 22 Uhr 20) von Dariusz Jablonski spricht im Sommer 1972 ein polnischer Offizier mit einem CIA-Agenten in Den Haag. "Er verfügte über eine Flut von Informationen, die er gar nicht schnell genug loswerden konnte", berichtet der CIA-Mitarbeiter in . Der Film zeichnet einen Lebensweg nach, der einen Zug zum Heroischen hat: Der polnische Offizier Ryszard Kuklinski wusste in den siebziger Jahren um die Bedrohung, die ein sowjetischer, gegen Westeuropa gerichteter Großangriffsplan für sein eigenes Land darstellen konnte, und sah sich damals vor zwei Alternativen gestellt: eine militärische Widerstandsgruppe zu gründen, oder sein Wissen an den Westen zu übergeben. Kuklinski hatte sich für Letzteres entschieden, ein Schritt, der noch heute bei seinen ehemaligen Vorgesetzten einem Verrat gleichkommt.

"Wir können Spionage nicht hinnehmen, das ist Fahnenflucht", sagt General Jaruzelski, der 1981 für die Verhängung des Kriegsrechts in Polen verantwortlich zeichnete, noch heute in die Kameras. Das Ende der Überläufer ist einsam. Wurde das Wissen einmal preisgegeben, gleicht deren Leben, ob bei Alfred Hitchcock oder in dem polnischen Dokumentarfilm, dem Dasein eines abgeschirmten Rentners.

"Spione im Kalten Krieg", Arte, um 20 Uhr 15

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