Fernseher : Flache Giganten

Auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung soll der Größenrekord für Flachbildschirme gebrochen werden - und zwar bei den kaufbaren Geräten. Der bisher Größte hatte eine Diagonale von hundert Zoll.

Renate Grimming[dpa]
Flachbildschirm Foto: ddp
Auf der Ifa 2006 präsentierte Samsung den nach eigenen Angaben größten Flachbildschirm. -Foto: ddp

BerlinDie neusten Flachbild-Fernseher werden auch auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (Ifa) zu den Stars der Unterhaltungselektronikbranche zählen. Als flache Design-Objekte haben sich die Geräte inzwischen als unbestrittene Zugpferde der Konsumentenelektronik etabliert und spülen der Industrie kräftige Umsätze in die Kassen. Die erfolgreichen Erben der betagten Röhrenfernseher tragen nach Angaben von Sharp-Geschäftsführer Frank Bolten bereits die Hälfte des Gesamtumsatzes in der so genannten CE-Branche (Consumer Electronics) bei, der sich in diesem Jahr auf mehr als 23 Milliarden Euro beziffern soll.

Der Trend geht auch weiterhin zu immer größeren Größen. Die Kunden kauften besser ausgestattete Geräte und größere Bildschirmklassen, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsmitglied des Branchenverbands GFU und Ifa-Vorstandsvorsitzender. Mit Bildschirmdiagonalen über hundert Zoll hatten die großen Elektronikkonzerne bereits auf der vergangenen Ifa und auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas im Januar ihre Größenrekorde aufgestellt. Den größten Fernseher, "den man auch kaufen kann" will diesmal Samsung mit einem 70-Zoll-LCD-Gerät nach Berlin bringen.

LCD gegenüber Plasma auf dem Vormarsch

Selbst in der Liga der großen Displays haben sich LCD-Fernseher gegenüber den Plasma-Bildschirmen inzwischen im Markt durchgesetzt. Schien die Produktion von solchen Flüssigkristall-Displays in diesen Dimensionen noch vor einigen Jahren als nahezu unmöglich oder zumindest unrentabel, ist bei der Fertigung heute kein Limit mehr abzusehen. Noch im Jahr 2001 war der weltweit erste LCD-Schirm in 32-Zoll-Größe eine Sensation, heute misst der größte LCD von Sharp aus dessen neuer Fabrik im japanischen Kameyama eine Diagonale von 108 Zoll (2,74 Meter) und übertrumpft damit selbst Panasonics größten Plasma um fünf Zoll.

Erneut legt der Absatz der LCD-TVs in diesem Jahr nach Angaben von Kamp um 50 Prozent auf 3,8 Millionen Geräte zu, während der Markt für Plasma-Fernseher ein Wachstum lediglich um 20 Prozent auf 500.000 Stück vorweisen kann. Selbst Plasma-Spezialist Panasonic wird künftig verstärkt auch LCDs anbieten. Einen ersten Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 37 Zoll aus seiner "Viera"-Reihe will das Unternehmen zunächst in Japan ab September ins Programm aufnehmen. Der südkoreanische Hersteller Samsung will aber auch weiterhin zweigleisig fahren. "Wir werden uns von Plasma nicht verabschieden", sagt Samsung-Manager Michael Kurpiers.

Neuer Standard "Full HD"

In Sachen Bildqualität haben die Hersteller bei ihren neuen TV-Modellen weiter mit verschiedenen Technologien nachgearbeitet. Krisselige Bilder, schwache Farbwiedergabe, so genannte Kometenschweife bei schnellen Bildfolgen oder die viel zitierten "Klötzchenartefakte" sollen künftig als überwundene Kinderkrankheiten gelten. Nach der erfolgreichen Einführung des Logos "HD ready" für Geräte, die Filme in hochaufgelöster Form wiedergeben können, entwickelt sich inzwischen "Full HD" zum Standard hochwertiger Geräte.

Full-HD-fähige Fernseher stellen in 1080 Bildzeilen jedes einzelne Pixel eines HD-Films dar und sollen damit für bestmögliche Qualität sorgen. Wie das Branchenmagazin "c't" berichtete, arbeitet der Branchenverband EICTA nach dem Muster des Logos "HD ready" auch an einer Auszeichnung für Geräte mit Voll-HD-Auflösung. Kann der Fernseher HD-Filme in voller Auflösung mit den für das Kino typischen 24 Vollbildern pro Sekunde wiedergeben, trägt er den Zusatz 24p.

Massive Probleme bei der Umrechnung

Doch bei all der neuen, ausgeklügelten Fernsehtechnologie mit Full HD, 24p und 100 Hertz hapert es nach Einschätzung von Experten für ein exzellentes TV-Bild noch immer an einer ganz anderen Stelle, und zwar an der Kommunikation mit den neuen Abspielgeräten für HD-Filme: Alle HD-Disc-Player gäben derzeit entsprechende Filme statt wie aufgenommen in 24 Vollbildern pro Sekunde in 60 Voll- oder Halbbildern wieder, berichtete kürzlich die "c't" (Heft 17). Dafür würden die einzelnen Bilder abwechselnd zwei und drei Mal an den Fernseher gesendet - mit der Folge, dass vor allem langsame Kameraschwenks mit merklichem Ruckeln auf dem Bildschirm erscheinen. "Die Geräte haben massive Probleme bei der Umrechnung der HD-Signale", bestätigt auch Lothar Kerestedjian, Entwicklungs-Direktor des Hamburger Produktionsstudios Enteractive Entertainment.

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