FERNSEHFILM : Das Schwein Desdemona

Charmeoffensive Ost: „Hoffnung für Kummerow“

Christina Tilmann
288265_0_f62f154c.jpg
Traumtänzer. Henry Hübchen als Dorf-Bürgermeister im Osten. Foto: Arte

Ein Gesicht, in das Leben und bittere Erfahrungen seine Linien gegraben haben, ein Anzug, der mindestens so sehr knittert wie das Gesicht, aber trotz allem ein tapfer zur Schau getragener Optimismus. Das Prinzip Hoffnung, so sieht es aus.

Pessimist gibt Optimist: Der oft wunderbar grantelnde Henry Hübchen, der demnächst in Andreas Dresens „Whiskey mit Wodka“ schwungvoll einen abgehalfterten Schauspielstar mit Alkoholproblem gibt, scheint mit zunehmendem Alter Gefallen zu finden an Nostalgierollen. Auch sein Bürgermeister Oskar Kubiczek, der immer neue Pläne für das fiktive ostdeutsche Dorf Kummerow entwirft – Freizeitpark, Wellnessoase, Werftmuseum –, ist ein hoffnungsloser Utopist. Die Vergangenheit war besser? Mag sein, aber wäre doch gelacht, wenn man aus der Gegenwart nichts machen könnte.

„Hoffnung für Kummerow“, der Fernsehfilm von Jan Ruzicka, der so etwas wie eine Charmeoffensive für den Osten starten will, spielt an auf „Die Heiden von Kummerow“, einen Jugendroman von 1937, der in der DDR mehrfach verfilmt wurde. Die Hoffnung hier in Kummerow ist allerdings nur noch ein abgewrackter Holzkahn, mit dem die Dorfleute zu besseren Zeiten bei der Regatta erfolgreich als Erste ins Ziel gingen. Nun hat das Nachbardorf Zechin längst die Nase vorn – die Jungs dort scheinen allerdings auch ernsthaft zu trainieren, während die Schlemihle von Kummerow sich lieber dem Suff und dem Frust und den fantastischen Plänen hingeben.

Liebenswert und ein bisschen doof, so sind die Eingeborenen. Die Mutter ist dement, der beste Freund Niels (Uwe Kockisch) hat ein Techtelmechtel mit Oskars Frau (Dagmar Manzel), die als arbeitslose Hebamme alle Hoffnung aufgegeben hat in Kummerow, der örtliche Paddelverein schwelgt in nostalgischen Jahresfeiern und dorfinternen Dauerzwisten, am Ende klärt die Faust die Lage.

Als zwei radelnde Wessis im Dorflokal stranden, wittert Bürgermeister Kubiczek den nächsten großen Deal, denn Wessis sind zwar doof und wenig liebenswert, aber dafür reich und investitionswillig, so viel hat er mitbekommen. Den viel größeren Schatz vor der eigenen Tür bemerkt er erst gar nicht. Am Ende muss das unschuldige Schwein Desdemona daran glauben. Aber das Dorf hat noch einmal die Nase vorn.

Das soll es sein, zwanzig Jahre nach der Wende? Wessi-Ossi-Klischees und einfältige Witze, liebevolle NostalgieAusstattung mit Schwalben und Ferkeltaxi, doch Top-Schauspieler, die sich unter Niveau verheizen lassen, für die gute Sache? „Wo Wüste ist, ist Wüste“, sagt Henry Hübchen. „Das ist ein Naturgesetz.“ Optimist? Pessimist? Der Mann ist Realist. Christina Tilmann

„Hoffnung für Kummerow“, Arte, um 21 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben