Fernsehfilm : Der Hass war wieder da

Nach diesem Film wird sich so manche Zuschauerin genauer überlegen, wen sie zu Renovierungsarbeiten in ihre Wohnung lässt. Ulrich Tukur spielt den Serienmörder Horst David.

Katrin Hillgruber
Tukur
In Serie. Ulrich Tukur als Maler, dem sieben Morde nachgewiesen wurden. -Foto: NDR

Die Regensburger Rentnerin Mathilde S. öffnete im Sommer 1993 dem Malermeister Horst David die Tür. Stets freundlich hatte er für sie Besorgungen erledigt und sich kleinere Beträge geliehen. Als er erneut um Geld bat, widersetzte sie sich. Da erdrosselte David die Frau. Von Mal zu Mal sei Ulrich Tukur in der Rolle des David beim Würgen souveräner geworden, erzählt der scheidende Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling. Kaum jemand weiß besser, dass Mord ein schweres Handwerk ist. An einem Augustwochenende 1975 wurden zwei Münchner Edelprostituierte von demselben Täter erwürgt – in Wilflings Augen konnte der Mann kein Anfänger sein. Der Unbekannte hatte Fingerspuren hinterlassen, die 20 Jahre später elektronisch erfasst wurden. Die Spur führte zu dem unbescholtenen Horst David im idyllischen Regensburg. Er wurde als Zeuge geladen, und Wilfling stellte ihm beim Verhör eine Falle.

„Ulrich Tukur lebt intuitiv diesen Mann, den er nicht persönlich kennt“, sagt Josef Wilfling. Ein Lob aus dem Mund jenes Kommissars, der maßgeblich an den Ermittlungen im Fall Sedlmayr beteiligt war und den Mörder des Modeschöpfers Moshammer überführte – das hat Gewicht. Im Dokudrama sind Wilfling und Tukur Gegenspieler. Der Kriminalbeamte spielt sich selbst, eine Idee der Filmemacher Danuta Harrich-Zandberg und Walter Harrich.

Ulrich Tukur, der elegant-sinistre Darsteller so vieler schillernder Unholde als einfacher Maler, dem Wilflings Sonderkommission sieben Frauenmorde nachweisen konnte: Das erscheint zunächst als Widerspruch. Doch der 1938 in Breslau geborene, musisch begabte Horst David wollte hoch hinaus, als ehemaliges Heimkind geliebt werden und im großstädtischen Rotlichtmilieu ein spendables Leben führen. In den Kriegswirren hatte seine Mutter den Fünfjährigen am Bahnhof ausgesetzt. Erzeugte das einen Hass auf alles Weibliche? „Wie könnte ich eine fremde Frau hassen“, schrieb er aus der Haft. In den Nachtbars, die Horst David frequentierte, wurde er wegen seines akzentfreien Deutschs „der Mainzer“ genannt. Die Ausbrüche aus dem kleinbürgerlichen Leben verschlangen Geld. Horst David fühlte sich von seiner Frau in die Defensive gedrängt. Da sie seine Finanzen kontrollierte, arbeitete er schwarz bei alleinstehenden Kundinnen, die er auch im Bett oder am Klavier zu unterhalten wusste. Hier glänzt Tukur, im Nebenberuf Sänger der Rhythmus Boys, ganz besonders. Mit einer Mischung aus Leugnung und impulsiven Sätzen wie „Der Hass war wieder da“ führt er ein akustisches Duell mit der Erzählerstimme des „Tatort“-Kommissars Udo Wachtveitl. Josef Wilfling vermutet, dass David für den Mord an vier weiteren Frauen verantwortlich ist. Aus dem Straubinger Gefängnis ließ der Serientäter ausrichten, er sei mit seiner Darstellung im Film sehr zufrieden. Katrin Hillgruber

„Der Mann, dem die Frauen vertrauten“, ARD, 21 Uhr 45

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