FERNSEHFILM : Gefühlschaos: Heike Makatsch und Anna Maria Mühe in "Schwesterherz"

Zwei Schwestern versuchen mit dem Leben zurechtzukommen. Das gelingt der jüngeren, der 18-jährigen Marie deutlich besser. Anne, Mitte und Typ "Erfolgsfrau", wird von ihrer Unzufriedenheit zerrissen.

Christina Tilman

„Bist du endlich fertig?“ fragt Marie, die jüngere, als die beiden Schwestern abends vorm Spiegel stehen, im spanischen Benidorm, und sich für die Party stylen. Da malt Anne, die ältere, noch hingebungsvoll die Falten um die Augen herum weg, während sich Marie nur einmal kurz durchs Haar wuschelt und damit schon längst fertig ist. Nicht leicht, das Älterwerden, wenn man so eine entspannte 18-Jährige an der Seite hat, die gerade ihre erste Liebe erlebt. Und man selbst ist ungewollt schwanger, der Freund auf Tauchstation, und alles coole Karrieregetue fällt in nur einer Woche auseinander, und du sitzt heulend am Telefon, allein. Heike Makatsch hat gemeinsam mit der Journalistin Johanna Adorján das Drehbuch zu „Schwesterherz“ geschrieben, und sich selbst die Rolle der unglücklichen Karrierefrau auf den Leib, dieser Anne, Musikproduzentin mit Regelungswahn, die selbst im Urlaub permanent am Handy und Laptop hängt und nebenbei mal den dunkellockigen Max (Sebastian Urzendowsky) vernascht, der sich in ihre Schwester verliebt hat. „Gefühlsecht“ mag der Film von Ed Herzog sein, der 2007 in den Kinos lief und nun in der gleichnamigen ZDF-Reihe aufgewärmt wird. Für Heike Makatsch war es ein Schritt zurück ins Kino, mit einer ernsthaften, nicht unbedingt sympathischen Rolle. Den Hildegard-Knef-Look hatte sie damals schon drauf, ein Jahr vor den Dreharbeiten zu „Hilde“. Dick Kajal um die Augen, blonde Wuschelfrisur, der Trenchcoat eng geschnürt, und die berühmte raue Stimme: die Performance wirkt wie ein Probelauf für den Knef-Auftritt, nur in der Jetztzeit, und etwas jünger. Die wahre Entdeckung des Films jedoch wird erst ein Jahr später mit der Hauptrolle in „Novemberkind“ richtig berühmt: Es ist Anna Maria Mühe, die die jüngere Schwester Marie spielt. Mit einer Reife und Abgeklärtheit, die die hysterische ältere Anne im Vergleich wie einen Backfisch wirken lässt. Wenn „Schwesterherz“ das Porträt einer neuen Generation sein soll, wie Heike Makatsch im Presseheft schreibt, dann könnte einem um Maries Generation erst recht angst und bange werden. So jung und schon so erwachsen – da freut man sich doch, wenn wenigstens noch Gefühlschaos herrscht. ]Christina Tilmann „Schwesterherz“, 23 Uhr 40, ZDF[

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben