Fernsehfilm : Hinterhalt am Hindukusch

Der Afghanistan-Krieg als Politdrama bei Arte.

Hendrik Feindt

Der Fernsehfilm ist ein langsames Medium. Seit bald einem Jahrzehnt operieren Einheiten der Isaf in Afghanistan. Doch erst seit dem Bombenabwurf bei Kunduz gilt Afghanistan nicht nur als Thema von Nachrichtensendungen und TV-Gesprächsrunden, sondern zunehmend werden das asiatische Land und die westliche Militärpräsenz zu Gegenständen des Spielfilms. Heute auf Arte als „Hinterhalt in Afghanistan“, der den Blick auf die Bruchlinien zwischen der einheimischen Bevölkerung, den Machthabern und Parteigängern sowie den ausländischen Einsatztruppen eröffnen soll.

Im Zentrum der französischen Produktion steht, von Marie-Josée Croze mit markant ehrgeizigen Zügen gespielt, eine französische Militärärztin: Es geht also um humanitäres Engagement. Dass das Opium das Land beherrscht, vernimmt der Zuschauer wiederholt. Nachvollziehen kann er es nicht. Anbau und Vertrieb, Waren- und Geldströme bleiben unsichtbar. Auf den Bildschirm kommen dagegen die Waffen: zunächst ein Scharmützel, schuss- und wundnah gefilmt, auf freier Strecke zwischen Taliban und Franzosen, am Ende schließlich die Niederstreckung eines eigenständigen Anführers der Paschtunen. Und dazwischen Verhandlungen, immer wieder Verhandlungen. Von allen Seiten wird die Ärztin instrumentalisiert, am meisten von ihren Vorgesetzten im Militärstab. Dass sie es sind, die eine fragwürdige Politik der Befriedung betreiben, ist vielleicht das Interessanteste am Drehbuch von Didier Lacoste und Pauline Rocafull: Die Isaf, so deuten sie an, scheint Paschtunen und gemäßigte Taliban kaufen zu wollen, um sie dann in den Mühlen der mit der Drogenmafia kooperierenden Karzai-Regierung zu vermahlen.

Im französischen Original heißt der Film „Le piège afghan“. Unter diesem Titel war bereits 2005 ein Comicalbum erschienen, auch sonst bedient sich der Film dieser Vorlage. Das Comic, für seinen Autor Bartoll ohnehin „ein Spielfilm in Einzelbildern“, war hier das geschwindere Medium. Hendrik Feindt

„Hinterhalt in Afghanistan“, Arte, um 20 Uhr 15

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