FERNSEHFILM : „Höhere Gewalt“: Ein harter Film über eine harte Jugendclique

Tilmann P. Gangloff
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Strecker hetzt alle auf.HR/Pressestelle

Vor diesem Film muss gewarnt werden: „Höhe Gewalt“ ist in Wort und Bild derart rüde und obszön, dass ein früherer Sendetermin als 22 Uhr 45 in der ARD schon allein aus Gründen des Jugendschutzes nicht in Frage gekommen wäre. Das Regiedebüt von Lars Henning Jung, ist auch ein bemerkenswerter Film. Weil Jung, der auch das Drehbuch schrieb, keinerlei Wert auf Sympathie legt. Nicht einer seiner sechs Protagonisten ist liebenswert.

Die Mitglieder einer Jugendclique verbringen ein gemeinsames Wochenende. Anführer ist Strecker, den Vinzenz Kiefer derart überzeugend abstoßend verkörpert, dass man ihm eine ausgezeichnete darstellerische Leistung bescheinigen muss. Neben physischer Kraft liegt Streckers größte Stärke darin, die anderen gegeneinander aufzubringen. Deshalb kommt es zum Eklat, als sein „Speichellecker“ Betz (Tobias Schenke) den Kumpel falsch versteht und Maike (Alice Dwyer) vergewaltigt. Prompt wechselt Strecker die Seiten und lässt zu, dass Jasmin (Anna Bertheau) ihre Schwester blutig rächt.

Erschreckend ist der Film weniger wegen der Eskalation der vermeintlich „Höheren Gewalt“, sondern wegen des ausgesprochen rohen Umgangs der Jugendlichen miteinander. Die Wortwahl erinnert an Pornofilme, die gegenseitigen seelischen Verletzungen und der gewalttätige Sex erfüllen in ihrer Drastik durchaus den Tatbestand der „sittlichen Desorientierung“, wie es in der Jugendschutzsprache heißt. Auf der anderen Seite gelingt es Jung, bei aller Angewidertheit doch eine gewisse Faszination zu wecken. Und so ist der Film dank der diversen Demütigungen und Erniedrigungen zwar gewiss nicht frei von einer gewissen Spekulativität, aber die Darsteller führt Jung ausgezeichnet; und die distanzlose Kameraarbeit von Mathias Prause hat zur unangenehmen Folge, das man als Zuschauer siebtes Mitglied der Gruppe wird. Tilmann P. Gangloff

„Höhere Gewalt“, ARD, 22 Uhr 45

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