Fernsehfilm : Was, wenn Markus krank wird?

Was ist Freundschaft, und was bedeutet es, ein Mann zu sein? Der ZDF-Film "Ein riskantes Spiel" geht einen ungewöhnlichen Weg, um diese Fragen zu beantworten.

Verena Friederike Hasel

Heute Abend gibt es im 20-Uhr-15-Programm etwas mit Seltenheitswert zu sehen, nämlich Männer. Der Mann ist rar im Abendprogramm, das aufs Herz zielt, die Zielgruppe in diesem Zeitfenster sind Frauen. Nun scheint jemand verstanden zu haben, dass die Frau, wenn sie eine Frau sehen will, ja einfach in den Spiegel gucken kann und im Fernsehen zur Abwechslung mal was anderes sehen will. Einen Mann zum Beispiel oder wie im ZDF-Film „Ein riskantes Spiel“ (Regie: Johannes Fabrick) sogar zwei davon. Der Film ist so gut wie sein Titel schlecht.

Markus (Tim Bergmann) und Andreas (Wotan Wilke Möhring) sind Freunde von Kindheit an, sie sind Architekten, zwei Männer wie in einer Versuchsanordnung: Da startet man am selben Punkt, aber wo kommt man an? Andreas ist bei einem Reihenhaus und einer Kleinfamilie für sich selbst angekommen, Markus dagegen hält daran fest, Leben und Arbeit nach seinen eigenen Maßen zu richten – mit der Konsequenz, dass ihm Frau und Geld fehlen. Dass diese Konstellation nicht holzschnittartig wirkt, liegt an den guten Darstellern und an den überzeugenden Einfällen der Drehbuchautorin Frauke Hunfeld, wie man den Graben zwischen beiden aufreißen lassen kann: Andreas und seine Frau Franziska (Sophie von Kessel) haben ein Fertigfeuer im Garten, Markus kann darüber nur lachen. Als er aber Blutkrebs bekommt, kann er sein Leben nicht länger improvisieren, aus Mangel an Aufträgen hat er die Krankenversicherung gekündigt, und nur mit der Versicherungskarte von Andreas kann er sich behandeln lassen.

Die Frage, wie man in Deutschland ohne Krankenversicherung dran ist, ist eine Säule des Films, aber nur sachte wird angespielt, dass die Mittelschicht erodiert, das Überleben zum Luxus werden kann. Dies hätte noch verstärkt werden können, doch das wäre zu Lasten des eigentlichen Filmthemas gegangen, nämlich der Frage, was Freundschaft ist und was es bedeutet, ein Mann zu sein. In Zeiten der Rol- lenunsicherheit sind die Zeichen hier ungewöhnlich traditionell gesetzt, Andreas und Markus gehen angeln und campen, und wenn sie am Grill das Fleisch wenden, reden sie über Frauen. Und sie übernehmen Verantwortung – für die Familie, für sich und füreinander.

Selten hat man zwei Männer so inszeniert gesehen wie hier: Da ist Andreas, wie er Markus im Rollstuhl fährt, er hält ihn, wenn er sich übergibt, er fährt das Auto und Markus, erschöpft von der Krankheit, schläft. Dass jede Freundschaft eine kleine Liebe ist, dass sie ausschließlicher als die geschlechtliche Beziehung zwischen Mann und Frau sein kann, das ist die große, die überraschende Botschaft dieses Films.

„Ein riskantes Spiel“, ZDF, 20 Uhr 15

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