Fernsehkoch : Tim Mälzer: Schluss mit Suppenkaspar

Der Versuch, gleichzeitig Essen zuzubereiten und lustig zu sein, ist gescheitert. Im Ersten will Tim Mälzer nur noch kochen.

Bernd Matthies
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Jetzt geht's ins Erste, jetzt wird es seriös. Tim Mälzer kocht in der ARD.Foto: dpa

Das Manöver klingt stark nach Pocher. Wieder soll einer, der bei den Privaten großgezogen wurde und nicht gerade für filigranes Kulturwollen steht, der ARD junge Zuschauer in die Quotenerhebungen spülen: Tim Mälzer, der populäre Kochtopf-Hooligan, der bei Vox den Löffel abgegeben hatte nach dem gescheiterten Versuch, in einer großen Show gleichzeitig Essen zuzubereiten und lustig zu sein. Ab 18. April wird der 38-Jährige eine halbstündige Sendung bei der ARD erhalten, kurioserweise sonnabends um 15 Uhr 30, wenn auch notorisch kochende Männer von der Glotze eher Fußball satt als Kürbiscremesuppe erwarten. Das Ziel setzt sich Mälzer selbst mit Anspruch: „Dass ich nun von der kochenden Legende Alfred Biolek den Kochlöffel übernehmen darf, freut mich irre.“

Und wie bei Pocher erklären die zuständigen Küchenchefs der ARD auch gleich tapfer, weshalb der neue Mann zwingend zu ihnen gehört: „Ein Küchenguru, den gerade die Jüngeren lieben, kocht nun im Ersten, dem Programm, das das Kochen im Fernsehen erfunden hat“, sagt Programmdirektor Volker Herres, und sein federführender NDR-Kollege Frank Beckmann teilt Nachschlag aus: Mälzer gelinge es, den Zuschauern das Thema Ernährung in all seinen Facetten näher zu bringen. „Was essen wir und wie essen wir richtig – das sind wichtige Themen und damit klassisch öffentlich-rechtliche Fragen.“

Mälzer – ein neuer ARD-Ratgeber Ernährung? Im Vorruhestand auf Mallorca hat der bekennende Grobmotoriker Speck angesetzt, das macht ihn als Diätassistenten der Nation eher unglaubwürdig. Dafür ist er garantiert nicht elitär, und darauf legen die Programmdirektoren sehr großen Wert. Bloß keinen Sternekoch, der mit Gänseleber und Champagnersauce zuschauende Krisenopfer verärgert! Mälzer ist einer, dem eigentlich erst als Töpfeschmeißer in der brillanten „Switch“-Parodie zu sich selbst geholfen wurde, einer aus dem gehobenen Prekariat, der sich bei jedem Auftritt verblüfft selbst zu vergewissern scheint, dass er wirklich im Fernsehen ist. Talk kann er nicht, das ist vermutlich der größte Unterschied zu Biolek, dessen Plaudereien ja nur deshalb als Kochsendung missverstanden wurden, weil sie in der Küche passierten.

Was genau da demnächst gesendet werden soll, ist den Beteiligten wohl noch nicht hundertprozentig klar, und auch einen Namen gibt es noch nicht. Man wird vermuten dürfen, dass Mälzer ohne seine Stichwortgeberin Nina auskommt, die ihm bei „Schmeckt nicht – gibt’s nicht!“ ständig im Weg stand.

Kochen, seriös ganz ohne Gäste, das ist das Programm; Mälzer hat bereits verkündet, er mache nicht mehr „auf Kasper-Koch“. Man wird sehen, ob die Fans das öffentlich-rechtliche Ende der vormaligen Rampensau akzeptieren und sich mit seinem bekannten Kampfruf „schweinelecker!“ zufrieden geben. Falls am Ende aber doch nur fußballabstinente Senioren zuschauen und übelnehmen, könnte das Experiment rasch vorüber sein. Bernd Matthies

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