Fernsehkritik : Champions League: Eher ein Unentschieden

Bei der Übertragung des Finales der Champions League überzeugt Sat1 mit kompetenten Kommentaren während des Spiels, nervt aber mit lustlosen Analysen davor und danach.

Claus Vetter
Champions League - FC Barcelona - Manchester United
Großer Fußball, kleine Analyse.Foto: dpa

30 Sekunden. Das ist im Fußball gar nichts, für eine runde Anmoderation ist es auch keine Ewigkeit. Hastig begrüßt Sebastian Hellmann am Mittwochabend aus dem Olympiastadion in Rom die Fernsehzuschauer. Champions-League-Finale, Barcelona gegen Manchester, damit ist alles gesagt. Der Konsument wird nach eingeblendeter Telefonnummer mit einem „Sie können sich die Zeit damit vertreiben, indem sie 10.000 Euro gewinnen“ in die Werbung hineinmoderiert.

Das muss man Sat 1 lassen: Bei den Fußballübertragungen behandelt der Sender seine Zuschauer äußerst fair. Wenn der Ball nicht läuft, läuft Werbung. Vor dem Spiel, in der Pause. Das gibt dem Zuschauer zuverlässig Zeit, den Sender während dieser Zeit allein zu lassen. Nur eine kurze Fußballunterbrechung gibt es in der knappen halben Stunde Sendezeit vor dem Spiel – für ein wenig erhellendes kurzes Expertengespräch mit Trainer Ottmar Hitzfeld und eine Einschätzung von Kommentator Kai Dittmann, die nicht zu hören ist, weil dessen Mikrofon nicht funktioniert.

Im Spiel aber funktioniert bei Dittmann alles. Dem großen Sportereignis gibt er einen würdigen Rahmen. Dittmann baut keine künstliche Spannung auf, kommentiert dafür sachlich und angenehm fachkundig. Natürlich muss er auch auf die Gewinnspieleinblendung Rücksicht nehmen und sein „Champions-League-Sieger können sie nicht werden, aber Geld gewinnen, wenn sie mitmachen“ ins Mikrofon nuscheln. Die Produktion ist trotzdem gelungen, wohl auch weil sie der Bezahlsender „Premiere“ produziert.

Eine Woche zuvor, beim Uefa-Cup-Finale, ging bei Sat1 noch einiges daneben. In die zweite Halbzeit wechselte sich der Sender erst ein, als der Ball schon wieder lief. Und nach dem Spiel wurde Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf in einem vom Ambiente her stark an eine 70er-Jahre-Minidisco erinnerndes Studio von gleißenden bunten Scheinwerfern angestrahlt. Eine belustigend absurde Kulisse war das.

Am Mittwoch muss der Zuschauer nach dem 2:0-Sieg für Barcelona auch sehr lange auf die Analyse warten. Dann sagt Ottmar Hitzfeld, dass Barcelona „Fußball zelebriert hat“ und dann ist das schnörkellose Rahmenprogramm um ein unterhaltsameres Fußballspiel auch schon ertragen. Im nächsten Champions-League-Jahr soll es launiger werden bei Sat 1. Mit Franz Beckenbauer und dem vom ZDF zurückkehrenden Johannes B. Kerner.

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