Fernsehkritik : Das neue "ran": Werbung mit Franz- und Fußballunterbrechungen

Was ist neu am neuen "ran" auf Sat1? Und vor allem: Was ist dran am neuen "ran"? Helmut Schümann über eine Fußballsendung, die keine war.

Helmut Schümann
Vorstellung des ran-Teams Foto: dpa
Rangehen? Welke und Beckenbauer geben alles.Foto: dpa

Mei, der Franz. Ist halt der Experte. Freitag, Samstag, Sonntag Experte für die Bundesliga bei Sky, das früher Premiere hieß. Mittwoch ist er Experte bei Sat1, das früher einmal ran ausstrahlte, und, schaun mer mal, es heute wieder tut. „Colour your life“, sagt Franz in seinem Baynglisch, was sich ungefähr so anhört: Kalla juhr loif!

Kalla juhr loif also, und deswegen steht der Franz lange bevor das Fußballspiel zwischen dem VfB Stuttgart und den Glasgow Rangers angepfiffen wird – und deswegen ist ran auf Sendung, wegen eines Fußballspiels, man muss sich das mal vorstellen, wegen eines Fußballspiels geht ran eigens auf Sendung, sogar wegen eines Spiels aus der Champions League, man kann das kaum glauben, weil da so viele andere Sachen zu sehen sind, Autos zum Beispiel, Kreditkarten, Filmschnipsel für Filme, die irgendwann einmal bei Sat1 zu sehen sind, noch mehr Autos und Kreditkarten – äh, aber jetzt sind wir vom Thema abgekommen. Was war das noch gleich?
Stimmt. Ein Fußballspiel. Und deswegen steht der Franz in einem Studio und sagt launige Expertensachen über den VfB und den Schotten auf. Daneben steht Oliver Welke und sagt: „Franz, was meinst du…“. Später, viele Kreditkarten und Autos und Filmschnipsel später, da ist das Spiel schon angepfiffen und Wolff-Christoph Fuss kommentiert und redet und redet und redet, erzählt all das, was ihm das Archiv zur Verfügung gestellt hat, und da war leider nicht das aktuelle Spiel dabei, weswegen Wolff-Christoph Fuss dazu auch nicht viel sagen kann, also später, viel später, sitzt der Franz auf der Tribüne und wird live ins Spiel eingeblendet zu einem Zwischeninterview nach 24 Minuten. Und dann sagt der Franz: „Mei, I hob an Suppersitz, I sitz zwischen zwei hübschen Damen, wos will’st noch mehr?“

Mei, kalla juhr loif, ran ist wieder da. Ran war zwischen 1992 und 2003 die führende Fußballsendung, ran hatte mitunter bis zu acht Millionen Zuschauer, und Johannes B. Kerner moderierte ran und Reinhold Beckmann auch, lange bevor sie auch alle anderen Dinge des Lebens moderierten, und Gabriele Papenburg, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Gab- mit Ypsilon, Gaby Papenburg, die moderierte auch mal ran. Und heute eben Oliver Welke.

Was neu ist am neuen ran? Nun, die Spieler dürfen sich jetzt in einer Art Passfoto selbst vorstellen: „Jens Lehmann, Torwart, Nummer eins.“ Oder: Pavel Pogrebnyak, Stürrmäär, Nummärr nööussanzik“, oder so ähnlich. Neu ist auch das Zwischeninterview mit dem Franz. Und dann sagt Wolff-Christoph Fuss: „Also, Franz, das Spiel plätschert so dahin, insofern Franz, dein Fazit.“ Und der Franz sagt: „Mei, das zweite Tor wäre sehr beruhigend, dann könnte man nach Hause gehen.“ 

Kann man aber noch nicht, weil erst mal Pause ist im Spiel, und man denkt, dass der Franz in der Pause zwischen seinen beiden hübschen Damen verschwindet und im Studio neben Oliver Welke eine launige Expertensache vorträgt, warum zum Beispiel der VfB nach etwa 30 Minuten und dem Führungstor das Fußballspielen eingestellt hat. Aber der Franz blieb zwischen den hübschen Damen hocken. Stattdessen sah man in der Pause erst einmal Autos, Kreditkarten und Filmschnipsel. Dann sah man Oliver Welke, der ein lustiges Gewinnspiel vortrug. Dann sah man Autos, Kreditkarten und Filmschnipsel. Aber das ist ja nicht neu an ran, das hat ran früher schon gemacht, die Werbung nämlich mit ein bisschen Fußball unterbrochen. Vielleicht ist der Franz auch deswegen auf seiner Tribüne geblieben, weil Wolff-Christoph Fuss gar nicht gemerkt hat, dass der VfB das Fußballspielen eingestellt hat. Gesagt hat er davon zumindest nichts, aber oft „volle Suppe“ und „volle Möhre“, letzteres, als ein Schotte den Stuttgarter Träsch aber so etwas von vollroh mit der Fußspitze im Gesicht traf, dass der Träsch blutete wie ein Schwein, um mal im Jargon zu bleiben. Der Wolff-Christoph Fuss hat die Einstellung der Stuttgarter Bemühungen auch in der Folge nicht gemerkt. Erst in der 77. Minute, als die Schotten den Ausgleich erzielten. Aber da war es dann zu spät.

Nach dem Schlusspfiff war der Franz dann aber doch noch im Studio. Wahrscheinlich hat er in seinem wahrscheinlich wohl dotierten Vertrag stehen, dass er nur 90 Minuten zwischen hübschen Damen sitzen darf, dann aber neben Oliver Welke stehen muss. Aber nur kurz, weil ran dann wieder übertragen muss: Autos, Kreditkarten, Filmschnipsel. Und zwischendurch, so 14, 15 Sekunden lang, auch mal die Zusammenfassung von anderen Spielen. Und kurz vor Schluss sagt Oliver Welke, dass „wir jetzt ein schönes Gefühl hinten raus machen“ zwischen Kreditkarten, Autos und Filmschnipsel noch 14, 15 Sekunden lang die Spiele vom Vortag.

Mei, mei, mei, kalla juhr loif, das macht man besser nicht an, da geht man besser nicht ran.

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