Fernsehkritik : DFB-Pokalfinale im Fernsehen: Himmel, Hölle

Starker Fußball, solide TV-Regie - aber Helmut Schümann fragt sich, warum Fernsehzuschauer und Stadionbesucher beim Pokalfinale mit derart schlechter und noch dazu lauter Musik gefoltert werden.

Helmut Schümann
Werder
Werder Bremen. Gruppenfoto mit Pokal. -Foto: dpa

Wer, die Frage kam dann doch noch auf am Ende des DFB-Pokalfinales, wer eigentlich ist zuständig für Regie und Choreographie eines solchen Finales? Nicht gemeint ist die Regie der übertragenden ARD, da gab es nichts auszusetzen, die machte solide ihr Werk, und dass Kommentator Steffen Simon eine kunstvolles Verbalchoreographie aber auch so etwas von fremd ist, ist auch nicht überraschend. Aber wer, zum Teufel, spielte nach Schlusspfiff diese Folter-CD ein, die in Endlosschleife von Waaaahnsinn!!!!,  Hölle! Hölle! Hölle! Und Hände zum Himmel! Brüllt und nicht nur im Stadion, sondern auch vor dem Fernseher Ohren und Sinne betäubt?

Die Verantwortlichen mögen in der Hölle schmoren, dem Wahnsinn anheim fallen und den Himmel nicht einmal nur ansatzweise zu packen kriegen. Was erlauben Stadionregie, fröhliche und glückliche Menschen mit den übelsten Machwerken der grölenden Ballermann-Fröhlichkeit zu penetrieren? Und wer, Himmel, Arsch und Zwirn, kam auf die Idee, den Pokal, das Objekt der Begierde von einem Rauschgoldengel halten zu lassen? Waaaahnsinn!

Steffen Simon lag dann doch daneben

Dieser Brimborium vergällt einem doch am Ende ein wenig die Freude über ein recht gutes Fußballspiel mit einem glücklichen, aber wohl verdienten Sieger, mit trauernden Spielern am Rande der Tragik, mit den großen Momenten der Menschlichkeit, wie sie aufkommen bei schmerzvollen, aber unvermeidlichen Abschieden. Da war man doch gnädig gestimmt und verzieh Steffen Simon seine weitgehende Emotionslosigkeit und seine mindestens übertriebene Sicht der Dinge. Dass Werder Bremen, wie von ihm ebenfalls in Endlosschleife behauptet, die klar dominierende Mannschaft sei, mögen ein paar Bremer Fans, blind vor grün-weißer Liebe, ähnlich gesehen haben, aber auch nur die. Gut, dass Meister Netzer im üblichen Geplänkel mit dem Herrn Delling in der Halbzeitpause korrigierend eingriff und von Bremen als dem etwas besseren Team sprach.

Und die großen Momente: Di-Di-Dieeeego, der sich tief verbeugte vor dem Publikum, der brillierte, und der sich abschließend freute mit einem Strahlen aus dem jegliche kühle und berechnende Professionalität verschwunden war, die ihn zum viel Geldverdienen nach Turin treibt, der sich aber freute wie ein Kind und nicht wie ein Millionario. Frank Baumann, der sich verabschiedete aus seiner Karriere und sehr rührend von Trainer Schaaf geherzt wurde. Man sah dies alles, man fühlte mit, wenn auch der nüchterne Steffen Simon eher nicht, und es war gut. Weil der Fußball es nicht nötig hat, sich von Chargen wie Wolfgang Petry, Bernhard Brink oder so die Seele puschen zu lassen. Dann kam der Schlusspfiff. Und bis zur Pokalverleihung und den wieder schäumenden Bildern der Freude, brüllte die Hölle.

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