Fernsehkritik : Die Stolpes bei Maischberger: Haltung, Einsicht, Hoffnung

Da ist ein Schicksal, nimm es an, pack es: Gerd Appenzeller über Ingrid und Manfred Stolpes Auftritt bei Sandra Maischberger.

Gerd Appenzeller
Ehepaar Stolpe spricht offen über Krebs
Ingrid und Manfred Stolpe.Foto: dpa

Da sitzt ein altes Ehepaar, das heißt, so richtig alt wirken sie eigentlich nicht, zwar beide über 70, und sie sagen, dass sie ein rundes halbes Jahrhundert miteinander verheiratet sind. Ingrid und Manfred Stolpe. Er über ein Jahrzehnt brandenburgischer Ministerpräsident, der Mann, von dem man sagt, er habe seine kleine DDR bewahrt. Und seine Frau Ingrid, auch über lange Jahre selbständige Ärztin, eine, die sich mit dem beruflich bestens auskennt, was sie nun beide ganz privat in ihrem Leben tief getroffen hat: der Krebs.

Er weiß es seit 2004, damals wurde die Vorstufe eines Darmkrebses diagnostiziert, und er kümmerte sich erst um die Maut (damals war er Bundesverkehrsminister) und dann erst um die weitere Vorsorge, und dann war es eigentlich, ja was? Zu spät vielleicht nicht, aber eben doch sehr spät. Seitdem plagt ihn der Krebs, mit Metatasten, und seine Frau wurde durch ihren Brustkrebs eher überrascht, und beide wissen, dass ihre Chancen auf Überwindung der Krankheit nicht so ganz rosig sind. Und sie demonstrieren bei Maischberger etwas, was man wohl als Haltung bewundern muss, aber auch als Einsicht in den Lauf der Dinge, wie er nun wohl vermutlich irgendwann sein wird.

Mit ungebrochenem Glauben an die Kraft, die aus dem Zusammenstehen wächst, sitzen sie da, reden rational über eine Krankheit, die den Menschen ja tief im Mentalen, im Emotionalen trifft, weil sie ihn zwingt, über die Endlichkeit nachzudenken. Und man schaut ihnen zu, hofft, dass sie die Kraft, die sie da zeigen, auch haben (ja, sie haben diese Kraft wohl), und wünscht ihnen, dass eine Mischung aus medizinischem Fortschritt und Gottvertrauen ihnen noch ein paar gute Jahre schenken möge. Und bedankt sich dafür, dass sie in diese Sendung gegangen sind. Nicht, um für sich zu werben, nicht um Heiterkeit zu demonstrieren, sondern ganz einfach um zu sagen: Da ist ein Schicksal, nimm es an, pack es, und wenn dir Gott hilft, ist es gut. Hoffe drauf.

Ich kenne Manfred Stolpe seit zwei Jahrzehnten. Gestern abend habe ich ihn und seine Frau zum ersten Mal bewundert.

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