Fernsehkritik : Frank Plasberg: Schief am Stammtisch

"Die Manager" und "die Reichen" niederzumachen, ist doch immer noch am einfachsten. Matthias Kalle über "Hart aber fair" mit Frank Plasberg.

Matthias Kalle
Hart aber fair
Hart ja, aber fair? Plasberg.Archivfoto: WDR

Der Mann steht schief – hat das etwas zu bedeuten? Will Frank Plasberg dadurch Anlehnungsbedürftigkeit symbolisieren? Oder fällt er vor Müdigkeit gleich um? Grund dazu hätte er, denn seine Sendung „Hart aber fair“ kommt aus der Sommerpause mit einem Thema, das eigentlich immer das Thema von „Hart aber fair“ ist: Es geht um Sozialneid, um reiche Manager, oder wie Plasberg sie nennt „diese Manager“ – und um die Frage, wie gerecht es in Deutschland eigentlich zu geht. Es ging leider nicht um die Frage, warum SPD-Mann Ralf Stegner keine Fliege um hat, die Antwort wäre vielleicht interessant gewesen.

Aber zu Beginn muss Plasberg unbedingt über Ulla Schmidt reden und über die Unmöglichkeit, mit dem Dienstwagen nach Spanien zu fahren. Man spürt Plasbergs Erregungspotenzial, doch bevor er vor Wut explodiert, sagt der kluge, besonnene Journalist Günter Wallraff, dass er jetzt eigentlich schon wieder Mitleid mit der Ministerin habe, er sagt: „Jeder macht mal Fehler.“ Fehler? Die kommen bei Plasberg leider nicht vor, Plasberg wundert sich nach wie vor, warum Menschen nicht moralisch korrekt agieren, von seinen Gästen möchte er wissen, wie man denn eigentlich den „Bodenkontakt“ verlieren könne – da will nur keiner so recht drüber sprechen, aber weil Plasberg das Moderieren schon lange eingestellt hat und lieber den Anwalt der Unterdrückten gibt, kommt eine Gesprächsrunde nicht zustande – trotz Stegner, trotz Wallraff, und trotz der Anwesenheit des smarten Schauspielers Walter Sittler, der neuerdings in solchen Sendungen eine gute Figur abgibt. Cornelia Pieper von der FDP wird dagegen offensichtlich zu selten eingeladen, sie wirkt hölzern und hat einen roten Blazer an, der sich mit dem roten Studiohintergrund beißt. Auch das verursachte beim Zuschauen Unwohlsein.

Vor allem aber die anhaltende Boulevardisierung der Sendung ist es, die dem Format schadet. In den Einspielern setzen die Macher zunehmend auf Gags oder bedienen sich einer Art von Propaganda, die „Bild“ zur Ehre gereicht. So geht es immer und immer wieder um „Raffgier der Manager“ und darum, dass doch die „Reichen“ endlich zur Kasse gebeten werden müssten. Tatsächlich hält Plasberg Sittler einmal vor, dass der ja auch zu den Reichen gehöre. Herr Plasberg, wir haben da mal eine Frage: Was verdienen Sie eigentlich bei der ARD? Was machen Sie mit diesem Geld? Es war dann wieder an Wallraff, der eh außerhalb jeder Kritik steht, zu erzählen, was er alles Gutes tut mit dem Geld, das er verdient.

Aber da war die Sendung schon längst entglitten, Plasberg schien stellenweise noch in der Sommerpause zu stecken, ihm fehlte jedes Gespür für Timing, für die Gesprächsführung. Fest hielt er sich an eine Umfragezahl: 75 Prozent der Deutschen sagen, dass es in Deutschland nicht gerecht zuginge. Das wiederholte er wie ein Mantra, ähnlich oft rechnete er vor, wie viel Milliarden der Staat durch eine Vermögenssteuer einnehmen könnte, und irgendwann dachte man vor dem Fernseher, dass es vielleicht am besten ist, wenn die Redaktion von „Hart aber fair“ die Macht in Deutschland übernehmen würde, dann ginge es bestimmt allen besser.

Dann hätten die vielleicht auch keine Zeit mehr wöchentlich eine 75-minütige Sendung zu produzieren, die das Niveau eines Stammtisches hat. Immerhin ist Plasberg nicht umgefallen.

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