Fernsehkritik : Gottschalk kann es noch - bei Plasberg

Tauschgeschäft in der ARD: Frank Plasberg ist zu Gast bei "Gottschalk live" und Thomas Gottschalk kommt zu Plasbergs "Hart aber fair". Dabei bewies Plasberg, dass Gottschalk es noch kann - wenn er will.

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Thomas Gottschalk in Berlin.
Thomas Gottschalk in Berlin.Foto: dapd

Am Montagabend lieferte Thomas Gottschalk seine bisher beste Show in der ARD ab. Der Mann war klug, witzig, geistreich – er verblüffte, hörte zu und war während der gesamten Sendung präsent. Dummerweise hieß die Sendung nicht "Gottschalk live", sondern "Hart aber fair".

Wenn man beim Fernsehen arbeitet, dann muss man manchmal "crazy" Ideen haben. Ich weiß zwar nicht, ob die beim Fernsehen das so sagen, "crazy", aber so stelle ich mir das manchmal leider vor, und weil Thomas Gottschalk und dessen Show wirklich Ideen brauchen, machte vielleicht einer den Vorschlag, dass an einem Montag Frank Plasberg zu Gast sein könnte bei "Gottschalk live", und nach der Sendung könnten doch beide in einem Großraumtaxi (Idee: Plasberg) quer durch Berlin in das Studio fahren, in dem "Hart aber fair" aufgezeichnet wird. Eine Stunde liegt zwischen beiden Sendungen – müsste klappen.

Klappte auch, war am Ende aber doch schwieriger, als man sich das beim Fernsehen wohl gedacht hatte. Die Rechnung, dass der erfolgreiche Plasberg dem gerade nicht so erfolgreichen Gottschalk Amtshilfe leistet, hatte mitunter was vom betreuten Moderieren. In seiner eigenen Show vor 1,45 Millionen Zuschauern wirkte Gottschalk wie so oft fahrig, er hatte die Themen nicht im Griff, Gags hatte er auch nicht, was vielleicht daran liegt, dass der Gagschreiber eines gewissen Atze Schröders für Gottschalk arbeitet. Wenn Markus Peichl am Donnerstag die Redaktionsleitung der ARD-Vorabendshow übernimmt, wird er viel zu tun haben; hoffentlich hat er sich "Hart aber fair" genau angeschaut, möglicherweise findet er da den Schlüssel zum Erfolg.

Denn dort war es plötzlich anders, Gottschalk wirkte in dieser Talkrunde mit 3,73 Millionen Zuschauern souverän, es schien fast so, als würde er schon allein wegen der Tatsache aufblühen, dass Studiopublikum anwesend ist. Außerdem sprach er frei, er hielt sich nicht an Moderationskarten fest, er wirkte nicht gehetzt – er fühlte sich wohl. Was vielleicht auch daran liegt, dass das Thema von "Hart aber fair" diesmal strenggenommen "Gottschalk" hieß. Es ging um ihn, um die Frage, warum er sich seine Show von Montag bis Donnerstag noch antut, aber weil die "Hart aber fair"-Redaktion es dann doch wohl etwas seltsam fand das Motto der Sendung umzudeuten in "Wenn Gottschalk auf Plasberg trifft", wurden noch andere Gäste eingeladen und das Thema hieß: "Berühmt um jeden Preis – wie viel Öffentlichkeit verträgt der Mensch". Das war ziemlich langweilig.

Was vor allem daran lag, dass die anderen Gäste neben Gottschalk ein anderes, ein falsches Verständnis von "Berühmt sein" haben. Ross Antony, der mal in einer Castingband sang und 2008 "Dschungelkönig" war, glaubt, er sei berühmt, die Moderatorin Mirjam Weichselbraun scheint dies auch von sich zu glauben, dabei sind die beiden höchstens bekannt. Und während die beiden über sich selbst sprechen, spricht Gottschalk über den Job und vor allem über die Menschen, die erst dafür sorgen, dass jemand berühmt wird. Es war interessant, dabei zuzuschauen, wie das Fernsehen bei dem Versuch scheitert, etwas zu erklären, für das es als Verstärkermedium mitverantwortlich ist; interessant deshalb, weil es nicht um Inhalte, nicht um Talent, nicht um das Können von Stars ging, also um all das, was Öffentlichkeit herstellen kann. Es war wieder Gottschalk, der nebenbei erklärte, dass das Glück dabei auch eine Rolle spielt.

Ein bisschen ging es zudem um das Pech, das so Sachen wie "das Facebook" (Hellmuth Karasek) und das Internet mit sich bringen. Das war plötzlich die dritte Sendung in nur einer Ausgabe von "Hart aber fair".

Ein Erkenntnisgewinn aber bleibt, dafür muss man an dieser Stelle Frank Plasberg mal loben: Er hat bewiesen, dass Thomas Gottschalk es noch kann. Theoretisch. Wenn er will. Schade, dass er gerade eine Sendung moderiert, die er nicht will.

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