Fernsehkritik : Jauch und Plasberg - Schon wieder Wulff?

Die unendliche Geschichte der Causa Wulff geht auch in den großen deutschen Talkrunden weiter. Wieder mussten Günther Jauch und Frank Plasberg über Christian Wulff reden. Unterhalten fühlte sich dabei kaum jemand.

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Moderator Frank Plasberg. Foto: dpa
Moderator Frank Plasberg.Foto: dpa

Um die wichtigste Frage gleich zu Beginn zu beantworten: Nein, Peter Hintze trug in der Sendung von Frank Plasberg am Montagabend nicht dieselbe Krawatte wie am Sonntagabend in der Sendung von Günther Jauch. Aber sonst?

Sonst weiß man ja auch als Fernsehkritiker nicht so genau, wie man das jetzt eigentlich finden soll: Am Sonntag redet Günther Jauch mit seinen Gästen über Christian Wulff, tags drauf redet Frank Plasberg mit seinen Gästen über Christian Wulff, und Peter Hintze also war bei beiden zu Gast. Er redete mit Abstand am meisten, und im Prinzip darf es an dieser Stelle nur um die Frage gehen, ob das eigentlich noch gutes Fernsehen ist – spannendes, interessantes, eines, das Erkenntnis bringt? Irgendwie dann doch. Und irgendwie dann wieder nicht.

Günter Jauch nannte es bereits eine unendliche Geschichte und ähnlich wie Frank Plasberg fiel es ihm schwer, den nötigen Ernst herzustellen; es schien fast so, als würden die beiden Profis es selbst nicht fassen können, dass sie sich jetzt schon wieder über Wulff unterhalten müssen, dass es immer schwieriger wird, einen CDU-Politiker von Rang zu finden, der Wulff unterstützt. Das sind dann die Momente, in denen die Mechanismen des Fernsehen versagen, das sind die Momente des Peter Hintze.

Die Causa Wulff
Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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04.03.2012 21:00Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das...

Hintze war mal Generalsekretär, er dachte sich 1994 die „Rote Socken Kampagne“ der CDU aus. Kohl gewann damit die Bundestagswahl, aber vier Jahre später dachte sich Hintze eine ähnliche Kampagne aus – und Gerhard Schröder wurde Bundeskanzler, Hintze trat als Generalsekretär zurück, 14 Jahre ist das jetzt her, aber Hintzes Feinde sind die alten, es sind die Medien. Das sind die Bösen, das stellt er bei Jauch fest, das stellt er bei Plasberg fest, er wirkt dabei wie einer, der ins Fußballstadion geht, um allen zu erzählen, wie doof er doch Fußball findet. Aber Hintze, der mal Pfarrer war, hat eine Mission, er muss Christian Wulff verteidigen, er muss ihm beistehen, er muss mantraartig wiederholen, dass die Hälfte der Deutschen will, dass Wulff im Amt bleibt, außerdem seien, sagt Hintze, alle Anschuldigungen aus der Welt geräumt, jetzt sei es auch mal gut.

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