Fernsehkritik : Johannes B. Kerners Abschied: Zügig nach Hause

Mit Liebe hat das alles nichts zu tun. Matthias Kalle über Johannes B. Kerners letzten Auftritt als Moderator der Nationalmannschaft beim ZDF.

Matthias Kalle
Kerner
Johannes B. Kerner.Foto: ddp

Grüße aus Dubai. Drei Worte – mit denen verabschiedete sich Johannes B. Kerner als Moderator der Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft, er wechselt im Herbst vom ZDF zu Sat1, ähnlich spektakulär wechselt in diesem Jahr eigentlich nur noch Mario Gomez von Stuttgart nach München. Aber Gomez ist ein guter Fußballer, im Spiel der Deutschen gegen die Vereinigten Arabischen Emirate am vergangenen Dienstag schoss er vier Tore, seine Leistung wurde ausgiebig diskutiert – was hat Kerner vorzuweisen?

Seine Leistung am Dienstag war fehlerfrei: Er schaute immer in die richtige Kamera, verhaspelte sich nicht, stellte keine allzu dummen Fragen, war stets Herr der Lage. Und als Oliver Bierhoff und Jogi Löw ins Studio kamen und in Kerners Co-Moderator Oliver Kahn offensichtlich die Dämonen des Hasses wüteten, da führte er die Sendung sicher und zügig nach Hause.

Einige werden sich daran erinnert haben, wie hoffnungsvoll dieser Johannes B. Kerner begann, 1992 bei der Fußballsendungsrevolution „ran“ bei Sat. 1, als manche Kollegen in ihm den neuen Harry Valerien sahen. Damals erneuerten Kerner und Beckmann die Art, wie die Deutschen die Bundesliga sahen – und dann irgendwann erneuerten Kerner und Beckmann Kerner und Beckmann – da waren beide schon längst bei den Öffentlich-Rechtlichen, Beckmann bei der ARD, Kerner beim ZDF, und vielleicht sehen einige das dort heute als Sündenfall an, vielleicht sind jetzt einige froh, dass Kerner wieder geht, dem ZDF jedenfalls könnte Schlimmeres passieren als Katrin Müller-Hohenstein, die an seiner Stelle von der Nationalmannschaft berichten wird.

Denn natürlich kann man Kerner nicht nach seinen Leistungen als Sportmoderator beurteilen, auch nicht bei seinem letzten ZDF-Auftritt, denn egal, ob er was mit Sport oder mit Kochen oder mit Menschen macht – die unglaublichen Entgleisungen wie die nach dem Amoklauf in Erfurt, als er ein Interview mit einem 11-Jährigen führte, die Haltungslosigkeit, das Nichts in seinen Augen – all das müssen wir Fernsehzuschauer sehen, wenn wir Kerner sehen, egal, was der Mann in Zukunft tut.

Kurz nach dem Spiel sagte Kommentator Béla Réthy zu dem Wechsel von Lukas Podolski vom FC Bayern zum 1. FC Köln: „When love calls you have to go – wie die Amerikaner sagen.“ Mag sein, dass die Amerikaner so was sagen, vielleicht ist das aber auch nur gut erfunden von Réthy, eine Art Gruß an Kerner. Obwohl: Mit Liebe hat die ganze Sache wohl schon länger nichts mehr zu tun. Grüße aus Berlin.

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