Fernsehkritik zum Confed-Cup : Wer braucht dieses Turnier?

Das Halbfinale Deutschland gegen Mexiko bot unterhaltsamen Fußball, mehr aber auch nicht. Bleibt die Frage nach dem Sinn des Ganzen.

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Zweikampf zwischen dem mexikanischen Stürmer Javier Hernandez und Verteidiger Matthias Ginter.
Zweikampf zwischen dem mexikanischen Stürmer Javier Hernandez und Verteidiger Matthias Ginter.Foto: Franck Fife/AFP

Immer noch keinen Videobeweis gesehen. Mithin keinen Beleg, wer so etwas braucht, mithin kein Gegenargument gefunden, dass dieser Videobeweis ein großer Humbug ist. Immerhin mal ein Spiel dieses Confed-Cups per TV gesehen, in der ARD, mit Tom Bartels als Reporter und Thomas Hitzlsperger als Experten. Aber auch kein Indiz gefunden, wer dieses zusätzliche Turnier braucht, außer vielleicht Bundestrainer Jogi Löw bei der Überprüfung der im Übrigen offensichtlich exzellenten Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball. Was sonst gesehen, außer einem unterhaltsamen Fußballspiel zwischen deutschen und mexikanischen Fußballern?

Vor Anpfiff ein an sich schönes Transparent des Fußballweltverbandes mit dem Text: Say no to racism. Wir befinden uns aber in Sotschi, in Russland, und da ist das Transparent nicht fehl am Platz, aber verglichen mit der russischen Realität eher absurd. Oder ist das Fifa-Mut? Oops, das wäre neu. Andererseits: Ist es wirklich Zufall, dass die ARD zu diesem Halbfinale Thomas Hitzlsperger, den öffentlichen Homosexuellen als Experten aufbietet, zu diesem Spiel im öffentlichen homophoben Russland? Aber ob Zufall oder nicht ist auch egal beim Dank dafür.

Tom Bartels Entschuldigung war unsinnig

Zum Spiel und seiner Übertragung: Tom Bartels hatte einen Aussetzer, als er die Mexikaner als „Männer unter dem Sombrero“ bezeichnete, eine klare Bild-Text-Kluft, weil kein Sombrero auf dem Rasen zu sehen war, kommentierte aber ansonsten schnörkellos, kompetent und unaufgeregt. Experte Hitzlsperger analysierte, was es zu analysieren gab, die deutsche Mannschaft gewann weitgehend überzeugend, der deutsche Nachwuchs spielte nicht nur weitgehend überzeugend. Bleiben noch ein paar Fragen: Wer braucht dieses Turnier? Wer braucht es im Fernsehen? Wer braucht es in Russland? Wer in Katar?

Aber das sind so Fragen, die wahrscheinlich ebenso unsinnig sind, wie die Entschuldigung von Tom Bartels gegen Ende des Spiels. Er hatte zu einer arg theatralischen Einlage eines dunkelhäutigen deutschen Spielers gemeint, er solle nicht den Affen machen. Was eine völlig korrekte Formulierung war. Nach Zuschauerprotesten entschuldigte sich Bartels gegen Rassismus-Vorwürfe. Liebe protestierende Zuschauer: Machen Sie mal nicht den Affen.

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