Medien : Fernsehmuseum: "Am Fuß der blauen Berge"

Andreas Kötter

Im Original hieß die US-Western-Serie "Laramie". Anfang der 60er Jahre lief sie in der ARD, später dann auch im ZDF unter dem Titel "Am Fuß der blauen Berge". Genau dort vermutete ich ein sagenhaftes Eldorado, ein Wunderland, wo Jungs längst Männer sein durften. Dort, wo meine Familie damals wohnte, lag hinter unserem Haus ein verwildertes Grundstück, das mir mindestens ebenso unerforscht vorkam wie die Weiten des Wilden Westens. Es hätte mich nicht verwundert, wenn jeden Augenblick marodierende Räuberhorden vorbei gezogen wären. Denen hätten dann die Sherman-Brüder eingeheizt. Slim (John Smith) und Andy (Bobby Crawford, verwandt mit Johnny Crawford, der in "Westlich von Santa Fé" das Erziehungsobjekt für Chuck Connors gab) bearbeiteten nach dem Tod des Vaters die Ranch und stellten sie durchfahrenden Postkutschen als Station zur Verfügung.

Das gab den Drehbuchautoren die Möglichkeit, immer neue Charaktere heran zu karren. So tauchten im Laufe der Jahre Gäste wie Charles Bronson auf. Der Satteltramp Jess Harper nistete sich ganz bei den Sherman-Brüdern ein. Schon bald verdrängte er Andy an Popularität, so dass der arme Bobby Crawford ganz aus der Serie geschrieben wurde. Robert Fuller spielte diesen Jess - und Fuller war damals ziemlich cool.

Schließlich sang der Herzensbrecher auch noch den Titelsong der Serie auf Deutsch, worauf die Herzen der Mädchen endgültig schmolzen. Trotzdem musste sich Fuller deren Liebe mit "Little Joe" aus "Bonanza" teilen, während wir Jungs nur Augen für ihn hatten. Denn aus der Zeitschrift "Bravo" wussten wir, dass Robert Fuller, ein ehemaliger Stuntman, seine Angelegenheiten auch vor der Kamera selbst regelte. Kein Wunder also, dass er gleich fünf Mal den "Otto" der Teenie-Kultzeitschrift gewann. Und das kam damals fast schon einem Oscar-Gewinn gleich.

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