Medien : Fernsehmuseum: Clarence

Bernd Müllender

Die Serie "Daktari" war Urwald light, Soft-Zoo fürs Wohnzimmer. Spannend unheilschwangerer Afrikabusch, aber für Eltern soeben noch jenseits der jugendgefährdenden Aufregungsgrenze. Tierdoktor Tracy Marsh vom "Animal Center" aus Wameru war dabei nur vordergründig die Hauptperson. Denn da war Judy, die oberschlaue Schimpansin und eben er: seine Majestät Clarence, der gutmütige, schielende Löwenopa.

Ein Löwe, der schielt - auf solch wunderbaren Unsinn muss man kommen. Nachgerade sensationell grotesk wurde das Schielen dargestellt: Bildschnitt Nahaufnahme Löwengesicht, die Augen wirkten wie eng zusammengerückt, Bildschnitt, und alles war verschwommen doppelt im Bild. Der Beweis: Er schielt. Das betagte Mähnenviech kriegte nicht mehr viel mit, aber für ein röchelndes Brüllen reichte es allemal und die Bösewichte nahmen Reißaus.

Immerhin: Der alte Schlingel konnte zwar nicht mehr jagen, aber fruchtbar war er noch und auch den Löwinnen zugetan. Sonst wären nicht am Ende einer Episode plötzlich zwei Löwenbabys im Busch gefunden worden, die genauso blöde vor sich hinschielten wie Clarence selbst. Und alle lachten sehr.

Indes: Solche Lektionen in Sehfehler-Vererbungslehre haben viele nicht mitbekommen. Denn Daktari hatte ein grausames Problem: die Sendezeit samstags um viertel vor sechs im ZDF. Gerade hatte Schmuseleu Clarence wieder munter losgeschielt, wurde in zahllosen Wohnstuben um Punkt sechs umgeschaltet zum weißhaarigen Ernst Huberty. "Sportschauzeit". Viele, besonders Mädchen mit mehreren Brüdern, haben nie ein Daktari-Ende gesehen.

Und vielleicht haben wir an einem besonders spannenden Bundesligafinalspieltag alle verpasst, wie Clarence eine schicke Löwenbrille bekam oder Dr. Tracy Marsh ihn operiert hat. Und Judy hat vor Freude schön affig gekreischt.

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