Medien : Fernsehmuseum: Dagmar Berghoff

Uta-Maria Heim

Sie wollte auf keinen Fall ins Fernsehmuseum. Deshalb hat sich Dagmar Berghoff Silvester 1999 von der "Tagesschau" verabschiedet. Als die 56-Jährige ging, war eine Ära zu Ende: Fortan musste die ideale Nachrichtensprecherin nicht mehr blond sein.

Als Dagmar Berghoff 1976 als erste Sprecherin ins "Tagesschau"-Team geholt wurde, war sie die Antwort der ARD auf die Frauenbewegung. Endlich durften auch Menschen mit dem weiblichen X-Chromosom im Fernsehen über das Tagesgeschehen berichten. Zunächst allerdings zweifelten die Kritiker daran, ob eine Frau das überhaupt könne: Fehlt nicht die notwendige Neutralität, wird sie nicht zu sehr von Emotionen übermannt? Dagmar Berghoff wurde die Souveränste von allen. Zu einem Archetyp, zum kühlen Muster einer Epoche: Sie stand für Distanz, Diskretion, Disziplin.

Die privaten Sender brachten als Gegenentwurf das Infotainment. Betont locker wird heute über Katastrophen berichtet, bei Kriegen geht es fast familiär zu. Dieses Modell greifen heute auch die Öffentlich-Rechtlichen auf. Doch nicht die "Tagesschau": Dort hat sich im Jahr eins nach Berghoff überraschend wenig geändert. Susan Stahnke war längst mit dem Versuch gescheitert, Showeffekte zu platzieren: Und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Dagmar Berghoff Chefsprecherin war.

Was macht Dagmar Berghoff heute? Nachdem sie uns so lange die aktuellen Schreckensmeldungen verkündet hat, präsentiert sie nur noch frohe Botschaften. Ihre "Weihnachtsgeschichten", die nun auf CD erschienen sind, heißen "Wir sagen Euch an den lieben Advent", "Das Engelchen", "Worüber das Christkind lächeln musste" (mehr dazu im Internet: www.musik-highlights.de). Das erscheint konsequent. Gerade bei den emotional aufgeladenen Weihnachts-News hat uns ihre sinnlich-sachliche Stimme von jeher mit dem Weltgeschehen versöhnt.

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