Medien : Fernsehmuseum: Dalli Dalli

Stephan A. Weichert

Hüpfen - das war das Markenzeichen von Hänschen Rosenthal. Gut und gerne 1000 Mal mag der kleine Mann seit 1971 wohl in die Luft gegangen sein und seinem über alles geliebten Fernsehpublikum mit heiserer Stimme "Das war Spitze!" zugerufen haben - die unzähligen Freudensprünge hinter der Kamera sind da gar nicht mitgezählt. Dem großen Berufsentertainer des deutschen Vorabendprogramms gelang mit seiner Prominenten-Rateshow "Dalli Dalli" in den siebziger Jahren, was bis dahin ausschließlich Quizveteranen wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff vorbehalten war: Er brachte den biederen Deutschen bei, dass Lachen nicht nur Falten macht.

"Dalli Dalli" war der Prototyp des Unterhaltungsfernsehens - hundertfach kopiert, in seiner Originalität nie erreicht. Ganz ohne Tutti-Frutti-Zoten auf Pennälerniveau und platte Herrenwitze à la Rudi Carrell zeigte er der spießigen Fernsehnation, was Humor auch bedeuten kann - nämlich, wenn man trotzdem lacht.

In der Brust des erfolgreichen Spiele-Erfinders und Sohns eines jüdischen Bankbeamten wohnten Zeit seines Lebens zwei Seelen: Die eine war vernarbt von jahrelanger Zwangsarbeit unter den Nationalsozialisten. Die andere war voller Glauben an das Gute im Deutschen, verhalf ihm doch dieses Land nach dem Krieg zu einer beispiellosen Rundfunkkarriere. "Dalli-Klick", der Schnellzeichner Oskar und natürlich seine legendären Luftsprünge vor der wabenförmigen Studiokulisse machten Hans im Glück schnell zum "beliebtesten Quizmaster aller Zeiten".

Hans Rosenthal starb 1987 an Krebs. Doch in seiner Geburtsstadt Berlin ist er nicht vergessen. Überall hat er Spuren hinterlassen: ein Platz, eine Stiftung, ein Seniorenheim und eine Tennismannschaft tragen seinen Namen.

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