Medien : Fernsehmuseum: Die Steinlaus

Bernd Müllender

Loriot war diesmal, im Oktober 1976, als Bernhard Grzimek gekommen. "Guten Abend, meine lieben Freunde", nuschelte er stilsicher und hatte uns mal wieder jemanden mitgebracht, "das kleinste Nagetier unserer Heimat": eine Steinlaus. Neben Loriot lag ein Haufen Ziegelsteine. Da stecke sie irgendwo drin. Das Tierchen selbst war nur unter dem Mikroskop sichtbar.

Besorgniserregend, was uns "der possierliche kleine Kerl" zeigte: Nicht nur seine dumpf-dämliche Fratze mit dem argen Überbiss, sondern auch, was es bedeutet, wenn ein Lebewesen "28 Kilogramm Beton und Ziegelsteine zur täglichen Sättigung" braucht. Im Einspielfilm krachte ein Hochhaus nach dem anderen zusammen, weil die Laus "auch schon mal einen Eisenträger" nicht verschmähe. Loriotzimek tat gewohnt verständnisvoll: "Natürlich konnten die kleinen Tierchen nicht unterscheiden, ob ein Haus noch benutzt wurde oder nicht. Darunter litten allerlei öffentliche Gebäude, hier und da auch mal ein Gotteshaus." Nag-nag-knabber-mampf, und ein Kirchturm krachte zusammen.

1983 nahm das renommierte medizinische Nachschlagewerk Psychrembel die sechsfüßige Species als "Petrophaga lorioti" auf, sie präge heutzutage "die architektonische Umgestaltung von Großstädten". Als die Steinlaus später wieder rausgestrichen wurde, setzte es empörte Proteste. 1998 kam sie umjubelt wieder, allerdings: "Nachhaltige Erfolge in der St.-Forschung stehen noch aus."

Da machte jetzt der Oldenburger Biologie-Professor Wolfgang Krumbein einen grausamen Fund. Er entdeckte "eine bislang unbekannte, rotgefärbte Variante der Blattlaus", die Gesteinoberflächen abknabbern und so Kirchenmauern und Fresken zerstören. Stilsicher nannte er das Geschöpf Steinlaus, "weil es in seinem Verhalten der Loriot-Figur ähnelt". Die EU bewilligte sofort 1,6 Millionen Mark Fördergelder. Ob der Forscher auch das mit den 28 Kilogramm bestätigen kann?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben