Medien : Fernsehmuseum: Gert Fröbe

Uta-Maria Heim

Er war Otto Normalverbraucher, Goldfinger und Räuber Hotzenplotz. Dabei wechselte er nicht nur die Masken, sondern scheinbar auch die Körper: Er konnte dick sein und dünn, groß und klein, starr und biegsam. Zwischen 1948 und seinem Tod im Jahr 1988 spielte Gert Fröbe in über hundert internationalen Filmproduktionen mit, er wurde von Regisseuren wie Orson Welles und Fritz Lang besetzt, und im Ausland war er der deutsche Nachkriegsschauspieler. Sogar als der ungeschlachte Nazi, in den er immer wieder hineinschlüpfen musste, wirkte er witzig. Gert Fröbe verfügte über eine hochintelligente, bei Schauspielern selten anzutreffende subversive Ironie.

Die englische Komödie "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" von 1964 war sein verrücktester, wenn auch nicht sein feinsinnigster Film. Als Oberst verkörperte Gert Fröbe das Klischee des plumpen, dämlichen Bismarck-Deutschen. Er konnte sehr viel mehr. Bereits 1958 hatte er seine beste Rolle gespielt: Als psychopathischer Mädchenmörder in Friedrich Dürrenmatts Kriminalfilm "Es geschah am hellichten Tag" trat Gert Fröbe gegen seinen Freund Heinz Rühmann an, der den Kommissar gab. Damals schrieb der "Tagesspiegel", Rühmann habe "etwas sehr schön Stilles, in nobelster Weise Unauffälliges" gehabt, während Fröbe "hintergründig seine dumpfe Massigkeit einsetzte und sein breites, verstocktes, im Hass fast kindlich aufflackerndes Gesicht". Gert Fröbe hatte es mit subtilen Mitteln geschafft, den übertrieben rechtschaffenen Kommissar moralisch ins Zwielicht zu rücken. Nie wirkte Heinz Rühmann abgründiger. Mit einem Schlag verloren sämtliche kleinbürgerlichen Charaktere, die er jemals gespielt hatte, ihre behauptete Unschuld. Diese Leistung macht Gert Fröbe auf ewig unvergessen.

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