Medien : Fernsehmuseum: Glückliche Familie

Kerstin Kohlenberg

So als Teenie, da will man natürlich, dass alles anders ist. Die Schule ist doof, das Leben zu langweilig, das Zimmer zu klein, und die Schwester und die Eltern nerven. Man sollte meinen, dass eine glückliche Familie, das Letzte ist, was man sich in so einer anstrengenden, pubertären Zeit wünscht. Um so erstaunlicher, dass einer der Familienstreite darin bestand, dass man sich die Streitigkeiten einer anderen Familie zur Abendbrotzeit im Fernsehen anschauen wollte. Die glückliche Familie... Aber irgendwie war das Gefühl, das diese Familie Behringer um Maria Schell ab 1987 im eigenen Wohnzimmer verbreitete, ein gutes. Sie war nämlich auf der einen Seite so unglaublich normal in ihrem Einfamilienhaus in der Nähe von München - so normal wie man selbst. Auf der anderen Seite hatte sie dieses kleine bisschen mehr Mut und Glamour, das man sich auch immer gewünscht hat. Maria Schell war zwar Hausfrau, aber nebenbei schrieb sie für eine Frauenzeitschrift. Vater Behringer war Ingenieur, aber kriegt in einer Folge die Chance, nach Amerika zu gehen. Das Projekt scheitert zwar, weil Vater Behringer sich nicht eingewöhnen kann, aber sie haben es immerhin probiert. Was die Behringers geschafft haben, ist, in 52 Folgen ein paar von den Eltern genervten Teenies mit der Idee Familie, zumindest für ein paar Stunden, zu versöhnen. Das ist nicht besonders progressiv, weil die Rollen natürlich klar verteilt blieben. Maria Schell ist hauptberuflich Mutter und Hausfrau, die ihren Mann, als er sie betrügt, natürlich nicht aus dem Hause schmeißt. Und als die ersten eigenen Lebensversuche der beiden älteren Töchter in die Hose gehen, retten sie sich wieder unter Mamas Rock. Das merkt man alles, auch als Teenie, aber dennoch war das Gefühl, das diese phasenweise heile Behringerwelt bei einem erzeugt, sehr angenehm. Dafür hat man auch gerne das eigene doofe Familienabendbrot sausen lassen.

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