Medien : Fernsehmuseum: Götz George

Uta-Maria Heim

Was macht den Ruhm von Götz George aus? Fest steht: Er ist gesichert. Nichts kann der Legende mehr etwas anhaben. Nicht einmal die neueste Staffel von "Schimanski", die ihn ins flirrend müde Licht des absolut allerletzten Zeitgeists taucht. Auf gar keinen Fall aber jene jungen, lässigen Fernsehmacher, die aus dem faustischen, faustsicheren Anarchisten jetzt einen abgeklärten psychologischen Haudegen machen. Schimanski, als Beamter exemplarischer Chronist der Wende, wirkte früher, als wäre er von Uwe Johnson in einem delirischen Fieber erfunden worden. Das ist vorbei, aber das macht nichts. Schimanskis Biografie spielt keine Rolle mehr, und das verbindet ihn mit seinem Darsteller.

Was von Götz George bleibt, ist sein unverwechselbarer Schlagabtausch. Berühmt gemacht hat ihn der Gesellschaftskonflikt - den verkörpert er am liebsten ganz allein in einer genialen Doppelbesetzung. Da kann er so herrlich schön schizophren sein. Wie kein anderer Schauspieler steht Götz George für die Unaufhebbarkeit sozialer und seelischer Spannungen. Er ist der Böse und der Gute. Dieses Doppelgesichtige ist ein wiederkehrendes Muster. Und wie kein anderer schafft er es, sich dem Wandel anzupassen, ohne sich zu verbiegen. Er ist der Junge und der Alte. Aber er wirkt niemals beliebig.

Seine Helden von damals sind so gegenständlich und real wie seine Helden von heute. Sein Werk behauptet eine beständige Gegenwart. Diesen Effekt erreichen meist nur Charismatiker und Diven, die schon sehr lange tot sind. Deshalb ist Götz George ein wandelndes Gesamtkunstwerk, das eine bestimmte Epoche verkörpert, die wir noch nicht überschauen können: Unsere.

Gerade das Zeitübergreifende, Zeitraffende macht Götz George schon zu Lebzeiten zu einer historischen Figur, die als Teil der Film- und Fernsehgeschichte unsere doppelbödige deutsche Wirklichkeit erhellt. Deshalb ist dort, wo Götz George auftritt, immer auch ein Fernsehmuseum.

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