Medien : Fernsehmuseum: Heinz Quermann

Kerstin Decker

Er moderierte die längste Rundfunk-Hitparade der Welt. 36 Jahre "Schlagerrevue" auf Radio DDR. Er präsentierte auch die allererste Fernsehshow der DDR "Da lacht der Bär" (1953-65) und unzählige danach. Er war einer der drei "Mikrofonisten". Morgen wird Heinz Quermann achtzig Jahre alt.

Drei "Mikrofonisten"? Klingt nach Fernsehurzeitalter. Klang Quermann für uns nicht immer ein bisschen - wie Urzeitalter? Allein dieser Abschiedsgruß nach jeder "Schlagerrevue": "Bis zum nächsten Mal, Ihr Heinz, der Quermann!" So nannte er sich. So steht er jetzt im "Lexikon des DDR-Alltags". Heinz, der Quermann. Er war doch eher was für unsere Eltern. Überhaupt für Menschen mit Gemüt. Die haben ihn geliebt. Wer sehr jung ist, empfindet eine natürliche Furcht vor Menschen mit Gemüt. Genau wie vor ihrem Humor. Jedenfalls kam Quermann als erste ostdeutsche Wachsfigur 1991 ins Westberliner Panoptikum am Kudamm-Eck.

Wir hatten Hochachtung vor ihm. Ein Talente-Förderer! Nina Hagen war seine Entdeckung. Von 1958 bis 1973 präsentierte er die Fernsehshow "Herzklopfen kostenlos". Keiner, der etwas werden wollte - und wurde! - in der DDR-Unterhaltung kam an ihm vorbei. Natürlich, 1945 hätte noch alles anders laufen können. Da war der junge Bäcker mit Schauspielausbildung Theater-Intendant in Köthen. Ein zweiter Heinz Rühmann wollte er werden. Er hatte einen Angestellten, einen Buffo-Sänger, der hieß Horst Tappert.

Und gab es Weihnachten in der DDR ohne Quermann? Vor ein paar Wochen, im Dezember 2000 moderierte er zum letzten Mal "Zwischen Frühstück und Gänsebraten". Nach fünfunddreißig Jahren. "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" war der unvergängliche Beitrag der DDR zum Weihnachtswesen. Quermann war ein unvergängliches Stück DDR - von ihrer gemütvollen Seite aus gesehen.

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