Medien : Fernsehmuseum: Joachim Fuchsberger

Harald Martenstein

Die olympischen Spiele haben, aus deutscher Sicht, bisher nur einen Superhelden hervorgebracht: Joachim Fuchsberger. Weil sein Haar früher schwarz war, trägt er den Spitznamen Blacky. Jüngeren Menschen muss man erklären, dass Joachim Fuchsberger damals ein vielbeschäftigter Schauspieler gewesen ist, vor allem in den Edgar-Wallace-Filmen, wo er der Gute war und Klaus Kinski der Böse. In Sydney sorgt er für das Rahmenprogramm. Wenn im Stadion gerade mal nichts los ist, zeigen sie ein kurzes Feuilleton über Australien, von und mit Blacky. Im bisher schönsten Film besucht Blacky eine Strumpfstrickfabrik. Die Bilder zeigen minutenlang die - das ist ganz wichtig! - halbautomatischen Strumpfstrickmaschinen, wie sie auf ihre typische halbautomatische Art vor sich hin stricken, während Blacky aus dem Off interessante Details über den australischen Herrenstrumpfmarkt mitteilt. Hin und wieder sehen wir ältere Damen mit Dauerwelle, die lachend auf die Maschine zeigen, offenbar Strumpfstrickerinnen oder die Strumpfstrickmaschinenbesitzersgattin. Dann ist wieder Blacky im Bild, wie er mit einem bayerischen Mannsbild in der Sonne sitzt. Der Besitzer.

Das hat was. Einerseits ist es so verschnarcht und vorgestrig, dass man seinen Augen kaum traut, andererseits so liebenswert naiv, dass einem weh wird ums Herz. Blacky, du bist der Letzte deiner Art! Einen wie dich wird es bald nicht mehr geben!

Andererseits fällt einem wieder die ARD-ZDF-Debatte der letzten Wochen ein, all die Thesen über Niveauverfall und Anpassung an die Privaten. Hier, bei Blacky, nimmt das öffentlich-rechtliche Fernsehen seinen Bildungsauftrag noch ernst. Man lernt eine Menge über den Herrenstrumpf. Und das soll auch wieder nicht recht sein? Können wir das alles wirklich nur noch ironisch sehen? Wer bei Blacky einschaltet, begreift: Es führt keinen Weg zurück auf die andere Seite des Flusses.

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