Medien : Fernsehmuseum: Männerwirtschaft

Andreas Kötter

Zigarrenasche auf dem Wohnzimmerteppich, schmutzige Unterhosen im Kühlschrank oder, als Krönung der schlechten Manieren, getrocknete Spaghetti Bolognese auf der Blümchentapete in der Küche - da muss jede Hausfrau die Fassung verlieren. Auch, wenn diese Hausfrau Felix heißt, also ein Mann ist. Das hier beschriebene Szenario eines Männerhaushaltes ist nur eine unter vielen Momentaufnahmen, die sich zu Beginn der 70er Jahre Woche für Woche in der "Männerwirtschaft" ereigneten.

Felix Unger (Tony Randall), seines Zeichens Modefotograf, Putzteufel und notorischer Hypochonder, und Oscar Madison (Jack Klugman), Sportreporter und schlampiger Schwerenöter, gaben dieses wahrlich seltsame Paar, das sich regelmäßig gegenseitig auf die Palme trieb. Und man konnte von ihnen lernen. Nicht nur, dass die ungleichen Lebensabschnittspartner das Wohnmodell der WG populär machte. Auch in Modefragen waren sie ihrer Zeit weit voraus: Oscar trug schon damals die Baseball-Kappe verkehrt herum auf dem Kopf. Und Felix kleidete sich so papageienhaft bunt, dass man heute versteht, warum die 70er auch als Jahrzehnt des schlechten Geschmacks in die Historie eingegangen sind.

"Männerwirtschaft" bleibt auch bei der x-ten Wiederholung eine der besten Sitcoms überhaupt; was kein Wunder ist, handelt es sich doch um eine der wenigen TV-Serien, die auf einem Kino-Klassiker basiert und mit dessen Erfolg mithalten konnte. Hatte zunächst das beste Buddy-Paar des US-Kinos, Jack Lemmon und Walther Matthau, diese komische Ehegemeinschaft gegeben, so hat man heute dennoch immer die Gesichter von Klugman und Randall vor Augen, wenn man an Oscar und Felix denkt. Ein größeres Kompliment kann man diesem seltsamen Paar kaum machen.

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