Medien : Fernsehmuseum: Marcel Reif

Markus Huber

Fußball kann man so, so oder so kommentieren. Da wären erstens einmal die Statistikfreaks: Sie wissen alles über jeden, wann er zuletzt welches Tor geschossen hat, und welche Unterhosen er dabei getragen hat. So machen es die Jungs von Sat 1. Dann gibt es die Patrioten: Sie loben jeden Querpass, preisen selbst beim 0:5 die Taktik des Trainers ("Erst die anderen kommen lassen und dann, wenn keiner mehr damit rechnet, knallhart zuschlagen"). So macht es Waldemar Hartmann. Und dann sind da noch die Pessimisten: Sie mosern selbst bei 3:0 noch über einen misslungenen Fallrückzieher.

Und dann gibt es noch ein so: das von Marcel Reif. Er freut sich, wenn es etwas zu freuen gibt, ätzt, wenn es etwas zu ätzen gibt, und hat dann eine Statistik bei der Hand, wenn es wirklich Auffälliges zu berichten gibt. Reif hat erkannt, dass Fußball mehr ist als Sport. Es geht um Unterhaltung.

Marcel Reif mag die brasilianischen Ballkünstler, und so kommentiert er auch: Er schiebt die Worte lässig durch die Sendung, manchmal mit Pirouetten, manchmal mit überraschenden Querpässen, manchmal mit überragenden Soli. Er kann böse sein, er kann aber auch loben. Beides ist lustig. Ja, und manchmal ist er - wie die Brasilianer - auch stinkfaul: Wenn nichts zu sagen ist, sagt er auch nichts. Das ist möglicherweise das Beste an ihm: Wenn ein Tor fällt, schreit er nicht "Toooor"; wenn die Kugel daneben geht, schreit er nicht "Daneeeben!". Sieht ja ohnehin jeder. Das Dumme bei Marcel Reif ist, dass er im Moment etwas zu oft den Mund hält: Bei RTL gibt er nur noch den "Tribünenadler", der im warmen VIP-Klub sitzt und in der Pause erscheint. Kommentare gibt er nur noch auf PremiereWorld ab. Aber wie viele sehen dieses Pay-TV? Also, bitte: Marcel Reif, komm raus aus deinem Museum.

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