Medien : Fernsehmuseum: Michel aus Lönneberga

Ulrike Simon

Alle Macken, die man so an sich hat, gehen auf frühkindliche Prägungen zurück. Sagt man. Zum Beispiel die Vorliebe für schwarze Kleidung. Die könnte daher rühren, dass man sich morgens keine Gedanken über Farbkombinationen machen will. Oder man ist dem existenzialistischen Gedankengut aus der Zeit der Sartre-Lektüre treu geblieben. Oder viel einfacher: Man guckte als Kind gern "Bonanza", fand Hoss & Co. ganz nett, viel besser aber Adam, den einzigen richtigen Kerl auf der Ponderosa. Das war der, der ein bisschen anders war als seine braven Brüder. Adam trug stets Schwarz.

Womit wir bei Vorlieben für das andere Geschlecht wären. Wenn eine Frau auf blonde, freche Männer steht, könnte das damit zu tun haben, dass sie in ihrer präpubertären Phase, Anfang der 70er, Michel aus Lönneberga geguckt hat. Michel (gespielt von Jan Ohlsson und erfunden von Astrid Lindgren) hatte nichts als Streiche im Sinn. Michel landete zur Strafe immer im Schuppen. Da er sich aber immer zu beschäftigen wusste, schnitzte er dort eben Holzfiguren. Eigentlich steckte hinter Michels Streichen nie eine böse Absicht. Im Gegenteil, er wollte immer Gutes tun. Es klappte bloß nie, immer ging alles nach hinten los.

Zum Beispiel diese Sache mit den Kirschen, aus denen Mutter Alma Schnaps machen wollte. Wie hätte Michel das ahnen sollen. Er fand nur, die Kirschen schmeckten viel zu gut, um sie wegzuwerfen. Auch dem Huhn Hinke-Lotte und dem Schwein Ferkelchen schmeckte das vergorene Obst. So lange, bis alle torkelten und besinnungslos umfielen. Glücklicherweise war da immer Alfred, der Knecht. Er hatte für Michel Verständnis, kannte alle Tricks, wusste auch, was man gegen Kater unternimmt. Michel aus Lönneberga durfte man nicht verpassen. Man lernte fürs Leben.

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