Medien : Fernsehmuseum: Rudi Carrell

Peter M. Hetzel

Rudi Carrell und Franz-Josef Strauß stehen nebeneinander vor dem Pissoir und der Holländer fragt den Bayern: "Herr Strauß, was ist nun wichtiger? Dass ich dem Bundeskanzler eben die Hand gedrückt habe oder dass ich hier neben Ihnen stehe und pinkele." Darauf antwortet der Ministerpräsident: "Versuchen Sie doch mal beides zur gleichen Zeit." Mag sein, dass das jetzt nicht besonders witzig war, es ist aber symptomatisch für den Humor von Rudolf Wijbrand Kesselaar alias Rudi Carrell: Der Mann hat in seinem Leben derart viele Anekdoten gesammelt, dass er sie einfach nur erzählen muss, ohne dabei auf Teufel komm raus Pointen zu schinden. Was Rudi sagt, ist allein dadurch schon witzig, dass es Rudi sagt. Das ist ein beachtliches Lebenswerk.

Rudi Carrells Neigung, permanent zu kalauern, ist wahrscheinlich eine Folge der Gene. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren im Showgeschäft tätig. Das erklärt wiederum die Tatsache, warum sich der 66jährige nicht in den Ruhestand zurückzieht. Seine Karriere von der "Rudi-Carrell-Show" über das Familienquiz "Am laufenden Band" bis hin zur Quasselrunde "7 Tage - 7 Köpfe" offenbart ein erstaunliches Spektrum. Und wie es sich für einen echten Star gehört, erwies er sich stets als Kritik resistent. Was sollte es den Träger des Bundesverdienstkreuzes auch kümmern, wenn er im letzten Jahr bei einer Umfrage neben Karl Moik und Dieter Thomas Heck zu den drei Alleinunterhaltern gewählt wurde, die das deutsche Publikum nicht mehr so oft sehen wollte? Da sind wir deutschen Fernsehschauer aber wirklich ungerecht, denn schließlich würden zahllose Stimmenimitatoren arbeitslos werden und das "NRC Handelsblad" könnte nicht mehr jene wunderbare Theorie aufrechterhalten: "Was macht es schon, wenn Niederländer schlechtes Deutsch sprechen" - manche, wie etwa Rudi Carrell, sind damit sogar reich geworden."

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar