Medien : Fernsehmuseum: Schmidteinander

Iris Ockenfels

Wäre Harald Schmidt heute derselbe, wenn es "Schmidteinander" nie gegeben hätte? Wohl kaum. Bevor er zum genialen Solisten wurde, der mit einem Zucken des Mundwinkels oder einer kleinen Handbewegung Komik erzeugt, tobte er sich bei "Schmidteinander" exzessiv aus: In chaotischen Sketchen und ekstatischen Ausdruckstänzen durchlebte er seine pubertäre Phase als Entertainer. Keine Sendung hätte dafür besser geeignet sein können als dieses "Reality-TV für Verhaltensgestörte", wie Herbert Feuerstein seine Erfindung bezeichnete. Als Schmidt und Feuerstein sich erstmals trafen, war es nach Bekunden beider "Abneigung auf den ersten Blick". Ein Reflex, der ab dem 16. Dezember 1990 im WDR-Fernsehen zum Show-Programm wurde: Schmidt war Wortführer der Sendung, Feuerstein sein Laufbursche. Zwischen dem ungleichen Duo lagen 30 Zentimeter Körperlänge und 20 Lebensjahre, gemeinsam war ihnen der skurrile Humor. Die Palette reichte von derben Kalauern über zynische Parodien bis zu intellektuellen Wortgefechten. Auch verkörperten beide mit Begeisterung Figuren wie "Superstein" oder "Fozzi-Bär".

Wenig zu lachen hatten die prominenten Gäste: Dieter Thomas Heck etwa wurde geladen, aber niemand sprach mit ihm. Und Jessica Stockmann bekam nur Fragen über ihren Gatten Michael Stich gestellt. Es war wohl der Mix aus Respektlosigkeit, Albernheit und politisch Inkorrektem, welche die knapp eine Million überwiegend jungen Zuschauer an "Schmidteinander" liebten. Im Januar 1994 schaffte die Sendung den Sprung ins erste Programm. Im selben Jahr bekam Feuerstein einen Grimme-Preis für Buch und Präsentation der Show. Der WDR verkündete jedoch kurz danach, das Konzept sei verbraucht. Nach der 50. Folge war im März 1995 Schluss mit "Schmidteinander". Harald Schmidt zog sich daraufhin einen Anzug an und ließ sich die Haare schneiden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar