Medien : Fernsehmuseum: Shiloh Ranch

Andreas Kötter

Aus Kindern werden Leute. Und weil das so ist, wurde ich der Western-Abenteuer, die der "Rifleman" erlebte, irgendwann Anfang der 70er Jahre allmählich überdrüssig. Zum Glück aber zeigte sich, dass auch der TV-Western immer erwachsener wurde. Es waren "Die Leute von der Shiloh Ranch", der Virginian (James Drury), Trampas (Doug McClure) oder Deputy Ryker (Clu Gallagher), die die Soap Opera endgültig im Wilden Westen heimisch machten. Denn die Erzählungen über das Leben auf einer Ranch in Wyoming waren nichts anderes als eine große Clan-Saga, bei der die Familie die Gemeinschaft der Cowboys war. Daneben war die Serie auch mit Charakter-Darstellern des amerikanischen Kinos und Theaters herausragend besetzt: Da stand mal ein Lee J. Cobb oder ein John McIntire mit seinen Sorgen und Nöten im Mittelpunkt einer Episode, und häufig waren sogar Gaststars wie Joseph Cotten oder (damals noch) Jungspunde wie Robert Redford dabei.

Basierend auf Owen Wisters mehrfach verfilmten Roman "The Virginian" bedeutete die Serie "Die Leute von der Shiloh Ranch" Höhe- und Endpunkt eines Genres zugleich. Weil hier eine TV-Westernserie zum ersten Mal im 90-Minuten-Format gezeigt wurde - bei uns blieben davon zwischen 60 und 75 Minuten übrig, so dass man sich bisweilen über arge Brüche in der Handlung ärgern musste - konnten Drehbuchautoren und Regisseure beinahe ähnlich epische Geschichten inszenieren, wie sie das von der großen Leinwand gewohnt waren.

Als schließlich "Die Leute von der Shiloh Ranch" Adieu sagten, war das eine besonders schmerzhafte Trennung. Nicht nur, weil ich den Virginian, Trampas und all die anderen wirklich lieb gewonnen hatte während der 175 Folgen, die bei uns zu sehen waren. Viel schlimmer noch traf es das Herz jedes Großstadt-Cowboys, dass mit dem Abschied von der Shiloh Ranch auch eine Epoche zu Ende gegangen war - die der klassischen TV-Western.

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