Medien : Fernsehmuseum: Space-Night

Joachim Huber

Das Fernsehen ist grell, bunt und schmutzig. Das Fernsehen ist hell, farbig und schön. Erstes gilt morgens, mittags und abends, letzteres nachts. Nachts, wenn im Bayerischen Fernsehen die "Space-Night" den All-Tag zum Programm erhebt. Von verschiedenen Flugkörpern aus betrachten Kameras die Erde. Wasser, Land und Himmel werden vom All eingerahmt. Die Farben und Formen sind mehr als augenfreundlich. Dazu tönen Klänge aus der Ewigkeit. Die "Space-Night" ist Massage der Fernsehzuschauerseele, so friedlich ist das Bild, so einlullend sind die Töne. Die Erde ist eine Majestät. Wer im dunklen Zimmer sitzt, alle Ablenkungen sind ausgeschaltet, der neigt bei der "Space-Night" zur Selbst-Suggestion. Er hält Sternschnuppen für Engel. Sie spielen Sphärenmusik für ihn.

Hin und wieder schießt ein Blitz durch das Gedanken-All. Ist "Space-Night" das andere, das gute "Big Brother"? All-Kameras überwachen die Erde, den Container, seine Insassen. Schon plant die Firma Brainpool eine Weltraum-Show. Die All-Engel, vertrieben von den Fernseh-Barbaren? Die "Space-Night" wird die Zlatkovisten dieser Fernsehwelt becircen, sobald sie von der Erde in den Weltraum abgeflogen sind. In der Schwerelosigkeit wird auch der hartleibigste Materialist angehoben. Wer in der "Space-Night" ist, der wächst über sich hinaus. Wir wünschen "Big Brother" in die erdzugewandte Nähe des Mondes. In dieser Sphäre könnte sich die Show zur Gruppen-Meditation auswachsen.

Momentan, in Köln, sieht das "Big Brother"-Team kein Fernsehen - welch eine Unterlassung! Bei einer guten Kassette "Space-Night" würden alle, na, fast alle mit Engelszungen reden. "Space-Night", Weihnachtszeit, Showtime - in der Unendlichkeit einer bayerischen Fernsehnacht würden sich diese Geraden zu einem hellen, bunten, schönen Lichtstrahl bündeln. Can you hear me, Major Tom?

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