Medien : Fernsehmuseum: Unsere kleine Farm

Heike Kunert

Zwanzig Jahre ist es nun schon her, dass meine Schwester und ich nachmittags auf der Couch saßen und zusahen, wie die drei Ingles-Töchter Mary, Laura und Carry den Wiesenhang hinuntereilten, um ihre Eltern zu begrüßen. Die US-Serie "Unsere kleine Farm" war für mich das erste Fernsehereignis, das ich bewusst wahrnahm.

Die Familie Ingles lebte in ihrem kleinen Holzhaus in Walnut Grove. Abends brannte das Feuer im Kamin, und der Kaffee dampfte auf dem Herd. Laura und Mary erzählten die neuesten Geschichten aus der Schule, in der sie sich täglich mit der verwöhnten Nelly in den Haaren lagen.

Das Leben in Walnut Grove war das Leben der einfachen Leute. Die Männer arbeiteten schlapphütig und mit breiten Hosenträgern über geflickten Hemden auf den Feldern, und die Frauen nahmen sie abends im Schein der Petroleumlampe in Empfang. Trotzdem wurde keine heile Welt vorgegaukelt. Schicksalsschläge hatten zwar nicht immer ein Happy End, aber ereilten sie eine Familie, halfen alle Dorfbewohner. Als das Telefon die neue Zeit im Ort einläutet, wird es mit Skepsis, aber kindlicher Neugier ausprobiert. Nur Pech, dass alle Drähte bei Miss Oleson zusammenliefen, der Klatschbase von Walnut Grove. Mit den Kindern des Ortes wurde ich selbst groß. Laura wollte plötzlich keine geflochtenen Zöpfe mehr tragen und verabschiedet sich von ihrer Kindheit. Bis ihr Angebeteter das aber bemerkt und sie zur Frau nimmt, liefert sie sich noch so manche Schlammschlacht mit Nelly.

Die Serie läuft heute wieder im Nachmittagsprogramm von Kabel 1. Hin und wieder schaue ich mir eine Folge an. Meine Schwester sitzt nicht mehr neben mir auf der Couch und trägt auch längst keine Zöpfe mehr. Und ich würde meine Berliner Wohnung an manchen Tagen gern mit dem idyllischen Holzhaus der Familie Ingles tauschen.

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